Der Bismarckturm – 110 Jahre alt

bismarckturm1Versteckt hinter hohen Bäumen, mitten zwischen den Gräbern des Ehrenfriedhofs auf dem Waldfriedhof liegt der Bismarckturm, der bei vielen Aachenern vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. Zu Unrecht wie ich finde, denn ein Besuch dort ist ein kleiner Ausflug in die Geschichte, verbunden Erinnerungen an viele Tote des 1. und 2. Weltkrieges, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Weltweit gibt es noch 173 Bismarcktürme, die alle zum Andenken an den Gründer des Deutschen Reiches Otto von Bismarck (1815 – 1898) errichtet worden sind. Die Anregung zum Bau solcher Türme ging meist von Studentengruppen aus. An bestimmten Tagen z. B. Geburtstag oder Todestag von Bismarck wurden auf diesen Türmen Feuer in den auf der Turmspitze befindlichen Feuerschalen entzündet. Im Vergleich zu allen anderen Bismarcktürmen unterscheidet sich aber der Aachener Bismarckturm  von diesen.

Die Anregung zum Bau des Aachener Turmes kam zwar auch hier aus der Studentenschaft. Ein Studentenausschuss bildete zusammen mit etlichen reichen Bürgern der Stadt ein Denkmalkomitee, um die Idee zu realisieren.  1904 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dem Plan zu, man wollte damit auch an die Zeit erinnern, als Bismarck als Regierungsreferendar in Aachen tätig war (1836/37). Allerdings stimmte die Stadt dem Bau nur zu, wenn gleichzeitig der Ehrenbürger der Stadt Aachen Helmuth Graf von Moltke(1800 -1891) und Albrecht von Roon (1803-1879) geehrt würden. Außerdem durfte der Turm keine Befeuerungsanlage, also keine Feuerschale besitzen. Nachdem das geklärt war stellte die Stadt Aachen den Bauplatz für den Turm kostenlos zur Verfügung. Die Gelder für den Bau kamen durch Spenden zusammen. Die Baukosten sollten sich auf 25.000 Mark belaufen.

Das Besondere an dem Aachener Turm ist, dass er in Form eines gekrönten „B“`s errichtet wurde. Eine Berliner Firma erhielt den Auftrag zum Bau und setzte ihn nach den Plänen des Architekten G. Frentzen um. Grauwacke, Backsteine und Basaltsteine kamen zum Einsatz. Unten am Fuß des 27m hohen Turms befindet sich eine  halbkreisförmige Aussichtsplattform die über zwei Steintreppen zu erreichen ist. Der 4-geschossige Turm endet in einer 5m hohen Basaltstein-Krone. Direkt unterhalb der Krone befindet sich ein Bismarckwappen.

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Bismarck

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von Moltke

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von Roon

Über dem Hauptportal befindet sich eine Büste von Bismarck, über den Rundbögen der ehemaligen Seitenportale finden wir die Büsten von Helmuth Graf von Moltke und Albrecht von Roon.

Bereits am 22. Juni 1907 konnte der Aachener Bismarckturm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht werden und die Schlüssel an den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Philip Veltmann übergeben werden.

bismarckturm5Heute kann man sich  wochentags (Mo-Fr) den Schlüssel beim Friedhofspersonal während der Dienstzeiten ausleihen, um den Turm zu besteigen.

Hinter dem Haupteingang befinden sich zwei getrennte Treppen, rechts  für den Aufstieg, links für den Abstieg. Rechts kann man noch lesen, dass Erwachsene früher 10 Pf und Kinder 5 Pf dafür zu entrichten hatten.

Heute ist der Besuch des Turms kostenlos. Oben von der Turmkrone hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt Aachen.

bismarckturm6

Bereits 7 Jahre nach seiner Eröffnung wurde das Gelände rings um den Turm zur Bestattung der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges genutzt, später kamen auch die Gefallenen des 2. Weltkrieges hinzu und die Toten der Luftangriffe auf die Stadt von 1944.  Inzwischen liegt der Bismarckturm inmitten eines riesigen Gräberfeldes.

bismarckturm7Nach dem 2. Weltkrieg musste der Turm wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Inzwischen wurde er wieder saniert (Kosten ca. 500.000 Mark) und Besuchern wieder zugänglich gemacht.

Der Besuch des Bismarckturms und des Ehrenfriedhofs auf dem Aachener Waldfriedhof ist ein lohnendes Ausflugsziel, auch noch heute. Und wenn man durch den Anblick der vielen jungen Kriegstoten traurig und nachdenklich geworden ist  kann man den Tag anschließend bei einem „Stopp“ am Parkplatz Siegel ausklingen lassen und sich ein leckeres Eis beim „Eismännchen“ holen, und wieder froh in Richtung Aachen fahren.

 

 

 

 

Quellen:

Infotafel am Waldfriedhof
www.bismarcktuerme.de
wikipedia

Hannelore Follmer

Hannelore Follmer im April 2015 über sich:

Ich bin Jahrgang '57 und ein "echter Öcher met Hazz en Blot". Meine Heimatstadt ist für mich die "schönste Stadt der Welt". Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.

Eins meiner Hobbys ist das Öcher Platt. Im Verein Öcher Platt bin ich langjähriges Mitglied.

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