Der Müschpark – ein Idyll am Fuße des Lousbergs

Schon immer befand sich der Müschpark in Privatbesitz, zunächst war er in wechselndem Besitz reicher Aachener Unternehmer und später gehörte er zum Kloster St. Raphael. Als die Ordensgemeinschaft den Park zum Verkauf anbot, erwarb die Stadt Aachen im Jahr 2008 im Rahmen der EuRegionale den Park und aus dem Müschpark wurde „ein Park für Alle“.

Schon wenn man den Eingang in der Kurve Purweider Weg/Strüver Weg betritt, hat man das Gefühl, einen ganz besonderen Park zu betreten. Handelt es sich hier doch um ein Gartendenkmal, das in dieser Art nur noch selten anzutreffen ist. Der Müschpark wurde als „Ferme Ornee“ oder „geschmückte Farm“ angelegt.

„Unter einer Ferme Ornee versteht man ein wirtschaftlich genutztes Gehöft, das in einen Landschaftsgarten integriert ist.“

Sein erster Besitzer, Wilhelm Körfgens, kaufte 1803 den Gutshof „Obere Müsch“ (daher der spätere Name Müschpark) und 13 Hektar Grund und Boden. Damals stand Aachen unter französischer Herrschaft und Wilhelm Körfgens arbeitete als Generalsekretär der französischen Präfektur. Körfgens baute das Gut in den folgenden Jahren zu der Parkanlage aus, wie wir sie heute zum Teil noch vorfinden. Er ließ exotische Bäume pflanzen, Teiche anlegen, verpachtete die Wiesen an Bauern und besaß auch einige Bereiche, wo Obst und Gemüse gepflanzt wurde. Ein Spazierweg führte rund um das Gut und das ehemalige Bauernhaus wurde stattlich herausgeputzt (in späteren Urkunden wird sogar von einem Schloss gesprochen), so dass im Jahr 1818 zum Monarchenkongress fünf herrschaftliche Gäste einquartiert werden konnten.

Nach dem Tod von W. Körfgens (1829) wurde das Gut „Obere Müsch“ von den Erben 1831 an das Tuchfabrikantenehepaar Heinrich und Johanna Kesselkaul verkauft, die das Anwesen als Sommerwohnsitz nutzten. Wegen einer Krise in der Tuchindustrie waren sie gezwungen, 1845 zu verkaufen. Noch heute findet man im Park im Torso-Stamm einer Blutbuche eingeritzt:

1845
Heinrich und Johanna
Kesselkaul

Allerdings sind die Buchstaben durch das Dickenwachstum des Baumes stark auseinandergezogen, aber bei genauem Hinsehen kann man die Inschrift noch erkennen. Vielleicht handelt es sich hier um einen letzten Abschiedsgruß, den die Kesselkauls hinterließen.

muesch1muesch2Neuer Besitzer wurde der Weinwirt Eduard Drouven, der seinen Sommersitz „Marien-Au“ nannte, der Name „Obere Müsch“ war ihm wohl zu gewöhnlich.  Das Anwesen umfasste 50 Morgen Land, davon wurden 37 Morgen noch landwirtschaftlich in Form von Ackerland und Wiesen genutzt. Der Rest setzte sich zusammen auch Teichen, Lustgärten, Gärten, Stallungen, Schloss, Haus und Hof.

1864 – 1903 gehörte die „Obere Müsch“ der Familie Eduard van Gülpen, eine Aachener Tuchherstellerfamilie, die sie ebenfalls als Sommerresidenz nutzte. Ihre Stadtwohnung war das prachtvolle Wespienhaus Ecke Kleinmarschier- und Elisabethstraße. 1867 errichtete van Gulpen nordöstlich der Eingangsallee eine Tuchfabrik (das spätere Kloster St. Raphael). Auch kümmerte er sich weiterhin um den Garten und ließ etliche heimische und exotische Bäume anpflanzen. Er ließ eine Kastanienallee als Weg zum Gutshaus anlegen, die später aufgrund schlechter Wachstumsbedingungen durch eine Lindenallee ersetzt wurde, die wir heute noch vorfinden.

muesch3muesch4Ebenso können wir uns heute noch an der Esskastanienallee erfreuen, die mit ihren alten, wunderbaren Bäumen nicht nur im Herbst das Herz des Besuchers erfreut, wenn die Esskastanien zum Sammeln einladen. Schon mein Vater (Jahrgang 1931) schlich sich  als Kind in den damals verbotenen Garten, um im Oktober seine Taschen mit Maronen zu füllen. Hilfe bei der Planung seiner Gartenanlage fand van Gülpen bei Joseph Clemens Weyhe, einem renommierter Düsseldorfer Stadtgärtner, der auch bei der Planung der Anlage des Lousbergs mitgearbeitet hat.
Nach dem Tod Eduard van Gülpens (1882) übernahm Carl Delius, ebenfalls ein Aachener Tuchfabrikant, die „Obere Müsch“, die er „Gut Buchenau“ nannte. Sein Obergärtner war Franz Wiemann, der im Gärtnerhäuschen wohnte, das sich nördlich des Eingangstors befand. 1931 besuchte eine Delegation der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft  (Dendrologie= Lehre von den Bäumen und Gehölzen) den Park und war hoch begeistert von dem wunderbaren Baumbestand.

Wichtiger Bestandteil des Parks war zu jeder Zeit der Obstanbau, auch heute findet man an der linken Parkseite wieder eine Wiese mit Obstbäumen. Damals gab es ca. 300 Obstbäume, einen Laubengang mit Birnen, Gewächshäuser mit Pfirsichen und Trauben.

muesch5muesch6Zur Lagerung von Obst und Gemüse errichtet man im Park zwei Eiskeller. Überreste davon findet man beim genauen Hinsehen auch noch heute.

Das angebaute Obst war für den Eigenbedarf, Überschüsse verschenkte van Gülpen ans Luisenhospital dessen Vorstand er war. Etwa ab 1919 entstand das Eingangstor zum Park, ein Zierbecken für Goldfische, das Hangareal wurde erschlossen, weitere Wege wurden angelegt und der große Weiher am Purweider Weg, links vom Toreingang, zum Kahnfahren genutzt. Im Park wurden an verschiedenen Stellen Pavillions aufgestellt, zwei nachgebaute laden auch heute wieder zum Verweilen ein.

Die „goldenen Zwanziger Jahre“ waren eine Glanzzeit für die „Müsch“. Im Sommer wurden hier rauschende Parkfeste gefeiert mit Zelten und illuminierten Waldpartien. Diese Feste fanden oft anlässlich des Reitturniers statt und die Großen der Reiterei kamen gerne als Gäste.

Die inzwischen nicht mehr genutzte Tuchfabrik war an die „Töchter vom Heiligen Kreuz“ übergegangen, die in den Fabrikgemäuern das Kloster St. Raphael gründeten und sich um das „Seelenheil“ gefährdeter junger Mädchen kümmerten.

muesch7muesch8Als die „Obere Müsch“ 1929 zum Verkauf anstand, wurde das komplette Anwesen mit Park vom Orden aufgekauft. Angeblich gab es auch Kaufinteressenten, die auf der „Müsch“ ein „Etablissement zweifelhaften Rufs“ errichten wollten. Das mussten  die Schwestern verhindern!  Die Klosterschwestern übernahmen jetzt die Pflege und den Erhalt des Parks.

Geht man die Lindenallee hinauf in Richtung des ehemaligen Gutshauses liegen rechts davon etwas versteckt die Kuppelgewächshäuser. Die sollte man sich unbedingt ansehen. In den Jahren 1988 bis 2004 arbeiteten hier Langzeitarbeitslose in einer Schulungsgärtnerei. Leider verfallen diese einmaligen Gewächshäuser langsam, dabei wären sie es sicher wert erhalten zu werden.

Folgt man dem Weg weiter, rechts hoch, vorbei an dem wunderschönen Wiesenhang, erreicht man oben durch eine kleine Abzweigung nach rechts die Aussichtsterrasse des Lousbergs mit einem wunderschönen Fernblick weit über die Soers hinaus und seinen herrlichen Hängematten, die geradezu zum Ausruhen einladen.

muesch9

muesch10Im zeitigen Frühjahr, wenn die Natur erwacht, lockt der Park mit großen Arealen blühender Schneeglöckchen, später gelber wilder Narzissen (man braucht dafür nicht bis in die Eifel zu fahren!). Der Pflanzenfreund trifft hier auch Aronstab und Salomonssiegel an. Mit etwas Glück weidet gerade eine Schafsherde auf dem Wiesenhang und grast dort friedlich. Der Anblick dieser Idylle ist fast perfekt! Auch ein Imker hat sein Bienenhaus im Park aufgestellt. Kurz dahinter erreichen wir über die Esskastanienallee und  über eine Treppe einen weiteren Zugang zum Lousberg, genau an den „Schwarzen Brettern“.  „De schwazze Breär“ sind sicher vor allem den älteren Aachenern noch als Treffpunkt der Liebespärchen bekannt.
Der Müschpark ist seit 2010 ein eingetragenes Gartendenkmal. Ein Landschaftspark mit einer phantastischen Natur, mit Wald- und Wiesenflächen, dunklen Teichen und atemberaubenden Blickachsen. Besuchen Sie ihn doch einmal und lassen sie sich von seiner wunderbaren Atmosphäre verzaubern!

 

 

Quellen:


 

Hannelore Follmer

Hannelore Follmer im April 2015 über sich:

Ich bin Jahrgang '57 und ein "echter Öcher met Hazz en Blot". Meine Heimatstadt ist für mich die "schönste Stadt der Welt". Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.

Eins meiner Hobbys ist das Öcher Platt. Im Verein Öcher Platt bin ich langjähriges Mitglied.

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