Die Aachener Wettersäule

Wer kennt sie nicht, die Aachener Wettersäule auf dem städtischen Verwaltungsgebäude am Bahnhof. 1956 wurde sie von dem Aachener Unternehmer Pongs nach New Yorker Vorbild für seine Heimatstadt Aachen in Auftrag gegeben. Insgesamt besteht die Wettersäule aus 180 Leuchtröhren in 3 Farben und es bestehen 18 verschiedene Einstellungsmöglichkeiten. Die Säule zeigt bei Dunkelheit durch ihr verschiedenfarbiges Licht von Kugel und Schaft an, wie das Wetter am folgenden Tag wird.

Foto: anja.blees@lupilux.de / STAWAG

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Nach ihrer Fertigstellung wurde die 11 Meter hohe, in Deutschland einmaligen Wettersäule, im Jahr 1958 an die Stadt Aachen übergeben und erlangte schnell den Charakter eines modernen Wahrzeichens. Durch den Aufbau auf dem Verwaltungsgebäude beträgt die Gesamthöhe über 40 Meter. So bekommt auch sicherlich so mancher aufmerksamer Zugreisender aus Richtung Köln bei Einfahrt in den Aachener Bahnhof den ersten fragenden Augenkontakt mit, was dieses Gebilde auf dem Dach des Hochhauses wohl sei. Etwa ein Denkmal, ein Kunstobjekt oder eine altmodische Sendemastanlage. In Kombination mit dem ebenfalls auf dem Dach befindlichen Luftsirenenpilz ist es für manchen Ortsfremden ein unlösbares Rätsel. Betrachtet man die Säule in voller Funktion bei Dunkelheit scheidet auch die Vermutung, eine besonders große Leuchtreklame erblickt zu haben, aus, da sich der Sinn und somit die Werbebotschaft dem staunenden Betrachter nicht erschließt. 

Nacht für Nacht zeigt die Wettersäule durch ihre verschieden farbige Leucht- und Blinkkombinationen die bevorstehende Wetterlage an. Wie viele Leute die Aachener Wetterprognose in den Abend- und frühen Morgenstunden zur Kenntnis nehmen, ist unbekannt. Nicht unbekannt ist aber die Tatsache, dass ich mich schon seit frühere Kindheit in den Sechsziger Jahren an den stählernden Wetterfrosch erinnern kann. Mein Vater führte zusammen mit meinem Opa ein Friseurgeschäft in der Kurbrunnenstraße mit freiem Blick auf die in der Nachbarschaft leuchtende Säule. Ich erinnere mich daran, dass ich im Winter schon als Kind vor dem zu Bett gehen neugierig aus dem Fenster Richtung Wettersäule geschaut habe, um endlich die erlösende weiße Anzeige zu sehen, dass in der Nacht oder am nächsten Tag endlich Schnee fallen würde, damit meine Gleitschuhe und mein Schlitten zum Einsatz kommen können. Heutzutage blicke ich im Sommer auf die Wettersäule um Grillabende besser planen zu können oder im Winter, ob bei fallenden Temperaturen Frost oder Schnee gemeldet wird, damit ich einplanen kann morgens meine Autoscheiben frei kratzen zu müssen.

Foto: anja.blees@lupilux.de / STAWAG

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So hatte ich in den letzten 40 Jahren von meinen verschiedenen Wohnungen aus das Glück den kostenlosen Service der Wettersäule nutzen zu können. Richtig nutzen kann man dies jedoch nur, wenn man auch das Einmaleins der Lichtsignale kennt:

Der Schaft zeigt entweder steigendes Licht bei steigenden Temperaturen, fallendes Licht bei fallenden Temperaturen oder konstantes Licht bei gleichbleibenden Temperaturen anzeigen.

Die wie eine große Krone thronende Kugel bietet mehrere Möglichkeiten der Wetteranzeige. Die beliebteste Anzeige dürfte wohl das blaue Licht sein. Es steht für heiter bis wolkig und trocken. Gelbes Licht bedeutet bedeckt bis bewölkt, ohne Niederschlag. Bei weißem Licht sollte am nächsten Tag der Schirm mitgenommen werden, es sind Niederschläge, Regen oder im Winter sogar Schnee zu erwarten. Erstrahlt die Kugel im Dauerlicht so sind beständige Wettertendenzen zu erwarten. Bei blinkendem Licht werden unbeständige Wettertendenzen erwartet.

Es meldeten sich sofort Dutzende Anrufer bei der STAWAG Zentrale, von wo aus heutzutage die Wettersäule gesteuert wird, wenn diese einmal ihren Dienst versagt. Da sich die Ausfälle mehrten, erfolgte 1974 die Stilllegung der gesamten Anlage. Es dauerte 3 Jahre bis die STAWAG die Wettersäule repariert hatte. 1983 erfolgte eine grundlegende Restaurierung und Erneuerung mit Fernschaltung. Zuletzt war die Säule im Jahr 2008 für 4 Wochen ausser Betrieb als bei Wartungsarbeiten die Röhren erneuert wurden und die ganze Säule gereinigt wurde.

 


 

Uwe Reuters

Uwe Reuters wurde 1960 in Aachen geboren. Nach einer Banklehre arbeitete er in seiner Freizeit als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Musikmagazinen und war in den 80ern und 90ern als Manager für verschiedene lokale und nationale Bands tätig. 1995 moderierte er für kurze Zeit die Musiksendung „Danger Zone“ bei Radio Euro. 1996 erschien sein erstes Buch „Easy Livin’” über die Band Uriah Heep, bis 2007 veröffentlichte er neun weitere Jahresbücher über Uriah Heep. Unter der Adresse futterfuerdieaachenerohren.blogspot.com schreibt er zahlreiche Berichte über die Aachener Schallplattengeschäfte von den 60er Jahren bis heute.

Seit 1996 führt Uwe Reuters in Burtscheid eine Anlage- und Vermögensberatungsfirma.

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1 Antwort

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    (Übertrag von der alten Website)

    Paul Schmarling
    (Sonntag, 03 Januar 2016 17:41)

    Wenn ich die Rolllade runterlasse, gucke ich zuvor noch auf die Wettersäule – seit ca. 30 Jahren. Aber ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob sie noch – wie früher – vom Wetteramt in Essen gesteuert wird, was immer krasse Fehleinschätzungen für unsere Region zur Folge hatte, oder von einer regional näher liegenden Wetterstation mit folglich präziseren Ergebnissen….

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