Ein Öcher im Heuhaufen

Heiteres aus dem Urlaubskoffer…

Obwohl schon ein paar Jahre her, ist diese wahre Geschichte immer noch erzählenswert:

An einem Mai Abend im Jahre 1989 trifft der Monteur Manfred K. in seinem Stammlokal in der Aachener Franzstraße zu einem Bierchen ein. Er will sich noch von seinen Kumpels verabschieden, denn am nächsten Morgen soll er nach China abreisen, wo er einen Auftrag seiner Firma, der Maschinenfabrik Schumag, zu erfüllen hat.

Als der Wirt von seinen Reiseplänen hört weiß der zu berichten, dass der Friseur René B. von nebenan gerade eine China-Reise mit seiner Frau unternimmt.

„Ach dann triffst du den ja sicher“, tönt es von der Theke. Und der Wirt und seine Gäste wollen sich geradezu ausschütten vor Lachen ob der Vorstellung, im großen chinesischen Reich unter 2 Milliarden Menschen den einen Öcher von nebenan aufzuspüren.

Ungefähr eine Woche später trifft eine deutsche Reisegruppe mit der Transsibirischen Eisenbahn aus Russland kommend in der 10 Millionen-Stadt Shenyang im Norden Chinas ein.

Das Übliche: Transfer zum Hotel, Einteilen der Zimmer. Geschafft von der langen Zugreise machen sich die 12 Teilnehmer der Reisegruppe etwas frisch. Trotz der vorgerückten Stunde hat man sich noch zu einem Bierchen in der Hotelbar verabredet. Als der Reiseteilnehmer René B. aus Aachen und seine Frau im Restaurant  eintreffen, teilt man ihnen mit, dass sich gerade ein deutscher Gast erkundigt habe, ob wohl auch Mitreisende aus Aachen in der Gruppe wären. Noch ehe die Eheleute ihr Erstaunen zum Ausdruck bringen können, klopft jemand auf  B.’s Schulter mit den Worten: „Ah aue Öcher bes de ooch he?“

René B. verschlägt es die Sprache. Da steht der  Monteur Manfred, den er aus der Kneipe in Aachen kennt, mit seinem Arbeitskumpel aus Kornelimünster. Sie erzählen, 40 Kilometer vor der Stadt in einer Fabrik Maschinen zu installieren. Und am Abend hatten sie sich gedacht, dass sie in einem der Hotels vielleicht ein deutsches Bier trinken könnten.

Als sie dann dort an der Theke plötzlich deutsche Stimmen vernahmen, waren sie hellhörig geworden. Und das Unfassbare wurde wahr: Der Friseur aus der Franzstrasse war eingetroffen.

Ein Öcher im Heuhaufen – oder in China!


 

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Alert: Der Inhalt ist geschützt.