Familie Mozart konzertiert in Aachen – Mozart in Münzen, Medaillen und Porträt-Stichen

Text zur Ausstellung 2006 in der Sparkasse Aachen

Wolfgang Amadeus Mozart gilt als einer der genialsten, vielfältigsten und fleißigsten Komponisten. Gerade im Jubiläumsjahr begegnet man ihm auf Schritt und Tritt. Doch auch in früheren Zeiten war jeder runde Geburtstag oder Todestag Anlass zur Ausgabe von Erinnerungsstücken in Form von Münzen, Gedenkmedaillen, Briefmarken, Stichen, Bildern, Büchern oder sonstigen Gegenständen.

Eine besondere Ehrung hat Mozart erfahren, indem sein Heimatland Österreich im Zuge der Euro-Einführung die für den Umlauf vorgesehene 1 Euro-Münze mit seinem Porträt versehen hat. Damit ist Mozart allgegenwärtig in den Portemonnaies von Millionen Euro-Bürgern vertreten.

Aktuell wurde Mozart durch die Ausgabe einer 10 Euro-Gedenkmünze in Silber der Bundesrepublik Deutschland und einer 55 Cent-Briefmarke der Deutschen Bundespost geehrt.

Neben einem Porträt des Komponisten auf der einen Seite zeigt die andere Seite der 10 Euro-Gedenkmünze einen beschwingten Adler unter einem Gewirr von Noten. Einige bemerkenswerte Ideen des Medailleurs spiegeln sich in kleinen Details der Darstellung wider. Die Notenzeichen sind durch 12 Sterne für die Euro-Länder dargestellt. Unter Bezugnahme auf das Lieblingsinstrument Mozarts stellen die Adlerschwingen eine Klaviatur dar.

Ein kleiner Kreis Aachener Münz- und Medaillensammler präsentiert anlässlich des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart Erinnerungsstücke an den großen Komponisten und an seinen Besuch in Aachen im Jahre 1763. Dankenswerterweise hat die Sparkasse Aachen ihr Münzkabinett am Münsterplatz für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Eine Vitrine zeigt die Person Mozarts in Bild, Werk und Kontakten. Neben Original-Porträt-Stichen des 19. Jahrhunderts sind Medaillen mit unterschiedlichen Porträts, Abbildungen seiner Heimatstadt Salzburg und seines Geburtshauses sowie die schon erwähnten Euro-Münzen und -Briefmarke zu sehen. Medaillen auf Künstler wie Joseph Haydn als eines seiner Vorbilder und die Sängerin Jenny Lind, bekannt als die schwedische Nachtigall, ergänzen das Thema. Jenny Lind gastierte beim 28. Rheinischen Musikfest 1846 in Aachen, bei dem unter dem Dirigenten Felix Mendelssohn-Bartholdy Mozart-Interpretationen dargebracht wurden.

Ein bei Leuchtenrath in Aachen um 1825 herausgegebenes Textheft zur Hochzeit des Figaro ist als Aachen- und Mozart-Beleg gleichermaßen von Bedeutung.

Besonders interessant für den Aachener und ebenso den heimatverbundenen Münzsammler ist der Blick in eine weitere Vitrine. Hier präsentiert sich die Familie Mozart als Aachen-Besucher auf eine ganz besondere Art und Weise. Wolfgang Amadeus war als 7-Jähriger im Jahr 1763 mit seinem Vater und seiner älteren Schwester Nannerl zu Gast in der Kaiserstadt – wenn auch nur auf der Durchreise. Bei dieser Gelegenheit konzertierte die Familie in der Comphausbadstraße vor Prinzessin Anna Amalie von Preußen, der Schwester Friedrichs des Großen, die der kleine Künstler mit seinem musikalischen Können begeisterte.

Vater Leopold hat in einem Brief Einzelheiten über Münzen und die Währungsverhältnisse während dieser Reise berichtet. Im Zeitalter des Euro unbegreiflich ist die Tatsache, dass zu jener Zeit an jedem größeren Ort – oder grob gerechnet durchschnittlich etwa alle 50 km – „eine andere Geldrechnung“ herrschte und andere Münznominale gültig waren. Vater Mozart war hierüber sehr verärgert, denn neben den damit verbundenen Umständen verursachten die häufig notwendigen Geldwechsel auch eine Menge zusätzlicher Kosten.

In Aachen wurde die letzte der wunderschönen silbernen Ratspräsenzen geprägt – und in Salzburg erblickte Wolfgang Amadeus Mozart das Licht der Welt.

Nur 7 Jahre sollte es dauern, bis das kleine Wolferl mit seiner Schwester Nannerl und Vater Leopold die Kaiserstadt besuchte, und sie mit seinem frühen Talent und musikalischen Aufführungen überraschte. Die Konzertreise der Familie Mozart ist für den Münzsammler von besonderer Bedeutung.

In den zersplitterten deutschen Landen, die vor der Reichsgründung 1871 aus vielen Kleinstaaten bestanden, und auch in den angrenzenden Staaten gab es keine für alle Teile des Landes gültige einheitliche Währung. Dies brachte dem Reisenden einigen Verdruss mit seinen Geldmitteln. Ein sehr anschauliches Beispiel für die Probleme mit der Barschaft auf Reisen gab Leopold Mozart während der „Europa-Tournee“ mit seinen beiden Kindern, die ihn 1763 auch nach Aachen führte. Wolfgang Amadeus Mozart begeisterte mit seinen 7 Jahren Prinzessin Anna Amalie von Preußen, die Schwester Friedrichs des Großen, bei seinem Konzert in der Comphausbadstraße.

Nach der Abreise aus Aachen schrieb Leopold Mozart einen Brief an seinen Salzburger Freund Lorenz Hagenauer, der ein anschauliches Bild der damaligen Währungsverhältnisse gibt:

„Von Cölln sind wir mit der Post nach Aachen gegangen. Das ist der abscheulichste Weg. In Coblenz und dem ganzen Trierischen hatten wir eine andere Geld-Rechnung zu lernen. Denn da hörte unsere Reichsmüntze auf, und man mußte sich auf die Petermänncher, und auf sogenannten schweren und leichten Kreutzer verstehen. In Cölln und Bonn galt dieß alles nichts, und da fiengen die Stüber und die Fettmännchen an. In Aachen kamen die Aachener Stüber, Busch und Mark, und im grossen die Reichsthaler und Pattacons, auch die Schillinge, in Lüttich kamen die Sous dazu. Und hier (Anm.: Brüssel) ist alles wieder nichts; sonderen man muß andere Sous, die Escalins, die Brabanter Gulden, und plaquèts, die Stück deren eins 3 Escalins und 1/2 gilt, kennen lernen.

Es ist nicht zu sagen, was man bald hier bald dort am Geld verliert. Und so bald man von hier weg über Valenciennes kömmt, so ist abermal die Geld Änderung; wo nichts als neue Louisd’or, jeder Thaler, und französische sous zu gebrauchen sind: so daß ich ietzt manchmal nicht gewußt habe, wie ich meine Ausgaben notiren soll.“

Die Reisestationen der Familie von Trier über Aachen nach Valenciennes sind anhand eines „roten Fadens“ dargestellt. Zu den markierten Orten/Gebieten sind die jeweils typischen bzw. von Leopold Mozart erwähnten Münzsorten ausgelegt, wodurch man einen besonders anschaulichen Einblick in die Verhältnisse der Zeit und in das Portemonnaie der Mozarts erhält.

Des weiteren erwähnenswert ist eine ausgelegte Aachener Wertmarke/Münze. Mozarts Geburtsjahr war zugleich das Geburtsjahr der letzten Aachener Silberprägung, einer Ratspräsenze zu 16 Marck des Jahres 1756.

Das Kinder-Porträt von „Klein-Wolferl“ am Klavier um die Zeit seines ersten Auftretens sowie die Darstellung der musizierenden Familie Mozart auf einem Wandbild verschaffen uns einen Eindruck davon, wie es beim Aachener Konzert ausgesehen haben könnte.

In Wandvitrinen sind als weitere Exponate neben einer hübschen Kupferplakette Partituren des 19. Jahrhunderts von Sonaten und Symphonien Mozarts sowie weitere Stiche zu sehen.


Heinz Kundolf

Heinz Kundolf, geboren 1951 in Aachen, arbeitet seit fast vier Jahrzehnten bei einem der ältesten noch heute existierenden Aachener Unternehmen, der AachenMünchener Versicherung, heute als Key Account Manager in der zur Unternehmensgruppe gehörenden AMB Generali Informatik Services GmbH.

Seit seiner Jugend interessiert er sich für Münzen. Von der allgemeinen Numismatik kam er zu den Aachener Münzen, zur Aachener Münzgeschichte und damit zur Aachener Stadtgeschichte im allgemeinen. Er ist ein absoluter Fan von Aachen und Karl dem Großen.

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