Gelächter auf zweierlei Art

eulenspiegelHaus Eulenspiegel, geschlossen Anfang der 1990er Jahre

 

Beim „Eulenspiegel”, einem Geschäft für Scherzartikel. Die Inhaber, Mann und Frau, sehen so alt, düster und verstaubt aus wie die Ladeneinrichtung; in ein paar Jahren* wird das Geschäft mit ihnen aussterben.

Ein Mann – Verzeihung: ein Herr, in dunklem Mantel aus schwerem teuren Stoff, darunter ebenso dunkle teure Hosen zu gepflegten Schuhen, oben ebenso dunkle teure Krawatte auf dem ebenso teuren Hemd mit – soweit man’s am Kragen sieht – „perfektem Sitz”. Stimme und Sprache äußerst kultiviert. Soviel Perfektion gab’s schon früher nur im Kino; wo kann es für ein solches Lebewesen heute noch Verwendung geben? Vielleicht in einem Kurhotel allerinternationalster Sorte, als Empfangsdirektor?

Jedenfalls, das perfekte Individuum fragt: „Haben Sie einen lachenden Sack?” Der Alte im Laden: „Aber selbstverständlich”, und holt das Verlangte hinter einer Glasschiebetür an der Wand heraus. „Hier, sehen Sie …”, und der Sack fängt an zu lachen (oder was er so unter Lachen versteht). Das perfekte Individuum betrachtet das Ding unbewegten Gesichts, nimmt es auch hoch. „Aha. Und wie funktioniert das?” Der Alte erklärt es; das wüste ordinäre Gelächter wechselt von Hand zu Hand. (Ernste Mienen diesseits und jenseits der Theke.) „Aha. Und was kostet das?”

Sechzehn Mark neunzig kostet es. „Ziemlich teuer.” Der Alte nimmt den Sack wieder an sich (und der ist augenblicklich still), zieht einen Reißverschluss auf, zeigt einen Chip: „Den brauchen Sie nur rumzudrehen”, und tut es. Der Sack beginnt hysterisch zu kichern. „Aha”, sagt das perfekte Individuum, den Sack nun seinerseits wieder in der Hand wiegend. „Wieviel, haben Sie gesagt?” – „Sechzehn Mark neunzig.” Der Sack kichert ununterbrochen. „Sechzehn Mark neunzig, nun ja …” – „Das ist nicht zuviel, wenn Sie bedenken, daß er auf zwei verschiedene Arten lacht!”

Das perfekte Individuum stellt den weiterhin idiotisch kichernden Sack auf dem Tisch ab und zieht das Portemonnaie. Der Alte: „Soll ich ihn als Geschenk einpacken?” Er macht sich mit dem Sack zu schaffen – der verschluckt sich sozusagen und schweigt dann. Das perfekte Individuum bezahlt und nimmt sein Päckchen an sich.

„Danke sehr”, sagt der Inhaber noch zur Ladentür hin, die sich unter Glockengeschepper hinter dem Herrn schließt. „Und SIE wünschen?”

Der Text stammt laut der Autorin aus den frühen 80er Jahren. Hier eingestellt im Februar 2012.


 

Waltraud Maisch

Waltraud Maisch schreibt über sich selbst: Ich bin alles andere als Aachenerin, habe aber 30 Jahre lang (bis 1999) dort gewohnt; das ergab sich halt so. Ich habe da anfangs in Studentenkreisen rumgehangen, später gearbeitet (in Büros, in einem Grafik-Atelier, in einem privaten pädagogischen Institut), zwischendurch mal ein bißchen als Liedermacherin getingelt, als das in Mode war. Inzwischen wohne ich wieder in Süddeutschland, wo ich 1969 herkam.

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1 Antwort

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    Uschi Ronnenberg
    (Mittwoch, 22 Februar 2012 16:09)
    Als Schülerin habe ich dort natürlich auch meine Quatsch-Artikel gekauft. Später hatte ich mein erstes Büro als Selbständige im Eckhaus links vom Haus Eulenspiegel und habe mit“erlebt“, wie der verstorbene Besitzer (Etzler hieß er, glaube ich) in seinem Sarg mit einem Kran herausgehievt wurde, weil das Treppenhaus zu eng war, um diesen Vorgang würdevoll abwickeln zu können… Irgendwie war also das Haus Eulenspiegel auf eine skurrile Weise immer etwas Besonderes für mich.

    Walter von den Driesch
    (Mittwoch, 22 Februar 2012 16:56)
    Ja so hieß er, Alfred Etzler, ein Klassenkamerad meiner Mutter. Ich war Kunde, weil es dort ganzjährig Dinge zu kaufen gab, die es bei Münch am Marschiertor nur als Saisonartikel gab: Nießpulver, Juckpulver u.v.a.m. Meine Mutter hat mir auch erzählt, daß Etzlers einen absolut „bombensicheren“ Keller hatten, in dem sie und meine Großmutter etliche Bombennächte verbracht hatten. Jedenfalls: die Schaufensterauslage von Etzlers Eulenspiegel war hochinteressant, ja geradezu cool. Nach einem Besuch der Elisabethhalle ging man gern mal gucken, was es Neues gab. (Es gab nie etwas Neues.) Beispielsweise das „Schnapsglas ‚Nie leer'“, das Furzkissen, die Dracula-Zähne und die ekligen Kunstofffliegen; aber, wenn ich mich recht erinnere, auch „Liebestropfen (Scherzartikel)“.

    Wolfgang Bebronne
    (Mittwoch, 22 Februar 2012 21:40)
    Jaja so ein Laden fehlt leider in Aachen. Als Schüler des Rhein-Maas-Gymnasiums haben wir dort gerne unsere Scherzartikel zum „Auffri-schen“ des Unterrichts gekauft (bseonders gerne für den Physikunterricht bei Herrn Hesel!). So ein kleines Stinkbömbchen im Phsyiksaal oder auf der Schultoilette brachte immer „Stimmung in die Bude“.
    (Und der Walter von den Driesch, s. o. war einige Zeit mein Sitzbanknachbar auf dem R-M-G; Gruss an Dich nach Nigeria.)

    Erwin Collé
    (Montag, 05 März 2012 16:05)
    Ich war immer fasziniert von dem Schaufenster,das alles präsentierte,vom Kunststoff-Köttel bis zur Sägemehlpraline, vom Feuerwerk bis zum Zauberwürfel. Für mich gehörte das als Kind stets zu den Highlights in der Innenstadt,neben Spielzeug Hünerbein und Danhausen natürlich.Dom und Rathaus waren da noch nicht so faszinierend….

    Lisa Reinartz
    (Samstag, 13 Oktober 2012 09:54)
    Ich suche Fotos vom alten Laden, von innen und außen. Kann mir hier vielleicht jemand helfen? Info bitte an
    lisa@reinartz-net.de

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