Hexenverbrennungen – Aachens düstere Vergangenheit

Es hat sie auch in unserer Stadt gegeben, die Hexenverbrennungen.

Vom Niederrhein aus fraß sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Feuer dieses furchtbaren Massenwahns in alle Dörfer und Städte des Landes. Wie viele Menschen in der Reichsstadt Aachen dem entsetzlichen Aberglauben zum Opfer fielen, dem hier wie überall Katholiken, Lutheraner und Kalvinisten zugetan waren, ist unbekannt. Hier, wie überall am Rhein, sind die meisten Hexenakten aus den alten Gerichtsstuben verschwunden, vielfach wohl auf Anstiften der Nachkommen der sogenannten Zauberinnen, unter denen sich Frauen und Töchter vornehmster Familien befanden. Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Verfolgten fast ausschließlich um Frauen und Mädchen handelte.

Alten Aufzeichnungen nach, hieß die erste verurteilte Hexe in Aachen, eine Zigeunerin, Maroy Kroiseti. Erst nach grausamer Folterung mittels glühender Eisen und Daumenschrauben brach der harte Widerstand des Weibes zusammen und es gestand alles, was die Herren Richter und Schöffen nur wollten.

Maroy Kroiseti wurde ob ihres Teufelswerks am 25. September, anno 1604, vom hohen Gericht zum Feuertod verurteilt . Auf einem hohen Karren hockend, wurde sie beim trüben Klang der Armesünderglocke durch das gaffende johlende Volk zum Hochgericht draußen vor Königstor(auf dem heutigen Königshügel) geführt. Der Scheiterhaufen war aus Pfählen, Schanzwerk und Reisigbündeln hergerichtet. Ein Pfahl stand mitten im Holzwerk. Daran wurde die Hexe festgebunden und ihr ein Sack mit Pulver um den Hals gehängt, was zur Abkürzung des schrecklichen Feuertods üblich war. Dann wurde der Holzstoß an allen vier Ecken angezündet und unter grässlichen Qualen verbrannte und erstickte das unglückliche Opfer.

Um 1630 scheint der Hexenwahn in Aachen seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Die Aachener Jesuiten berichten in ihren Jahrbüchern, sie hätten es an geistlichem Zuspruch nicht fehlen lassen, als der Rat die Ausrottung der Zauberinnen mit größtem Eifer betrieb. Später wurden zahlreiche Hexen aus Gnade zuerst mit dem Schwert hingerichtet oder per Strick erdrosselt und dann erst dem Feuer übergeben.

Eine der berühmtesten Hexen, der in Aachen der Prozess gemacht wurde, war die sogenannte Maubachsche, geboren als Katharina von Thenen, aus einem Patrizierhaus stammend und Ehefrau des wohlhabenden Kaufmanns Matthias Maubach. Sie wurde aufgrund selbstgestandener Zaubereien mit dem Schwert hingerichtet und dann verbrannt. Inzwischen wurden nur die verstockten Sünderinnen lebendig verbrannt, den Reumütigen gewährte man die Gnade des vorher Erwürgt- oder Enthauptetwerdens.

Das Rührendste, was die Hexenseelsorger zu berichten wussten und zugleich das Furchtbarste, das aus der Zeit der Aachener Hexenverbrennungen bekannt geworden ist, findet sich in der Chronik des Jesuitenkollegs aus dem Jahr 1649 und war zugleich eine der letzten Hinrichtungen dieser Art in Aachen.

Ein Mädchen, heißt es da, 13 Jahre alt und der Hexerei beschuldigt, machte mit seiner Verstocktheit den Unseren viel Mühe. Endlich aber erweichte sich sein Starrsinn so sehr, dass es am letzten Tag, bevor es zum Scheiterhaufen geführt wurde, mit tiefem Schmerz als wahre Büßerin, gestärkt mit den Hl. Sakramenten, den geistlichen Helfern ein erhebendes Schauspiel bot. Als ihm nämlich die Henkersmahlzeit gereicht wurde , sprach es den Pater an: „Du hast mir gesagt, dass Christus, als er zum Tode geführt wurde, nichts anderes als Speis und Trank zu sich genommen habe als Galle und Essig. Da ist es mir nur recht und billig, dass auch ich mich der Speisen enthalte.“ Diese Worte trieben den Anwesenden die Tränen in die Augen. Der Schmerz der Zuschauer wurde noch gesteigert durch den Gedanken an das zarte Alter des Mädchens und die schlechte Umgebung, in der es aufgewachsen war. Denn auch der Vater war mit seinem 30jährigen Sohn vor zwei Monaten aufs Rad geflochten worden und vier andere Brüder hatten in Holland dieselbe Strafe erlitten. Die Mutter war bei dem Versuch, den Verfolgern zu entkommen, niedergeschossen worden.

Die Kindermorde der Hexenzeit, die andernorts sogar Knaben und Mädchen von sieben, acht Jahren auf den Scheiterhaufen brachten, waren also auch der Krönungsstadt nicht fremd. Es scheint indes, dass die Verbrennung des 13jährigen Mädchens als Initialzündung galt, diese Grausamkeiten zu beenden und somit die letzte Hinrichtung von Aachener Hexen und Zauberinnen war.

Mit dem Ende des 30jährigen Krieges erloschen allmählich am ganzen Niederrhein die Scheiterhaufen. Der Hexenglaube hielt sich allerdings länger. Erst die Franzosen, heißt es in den Geschichtsbüchern, haben die Hexen vertrieben.

Zum Gedenken an diese unselige Epoche Aachens wurde erst vor kurzer Zeit am Hexenberg auf Königshügel eine Tafel errichtet.

Quellennachweise zu diesem Artikel: „Erzstuhl des Reiches“, Kapitel : „Der große Brand“, von Will Hermanns.
Dieser Beitrag erschien zuerst im SENIO-Magazin und dann hier.


 

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

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