Ich fahr mal eben ins Ekazett

 „Ich fahr mal eben ins Ekazett.“ Ein Satz meiner Mutter, der mich begleitet hat, seit ich etwa zehn Jahre alt war. Unsere damals vierköpfige Familie war gerade aus der Innenstadt in die Kaiser-Friedrich-Allee gezogen, deshalb wurde nun also statt des Geschäftes „Van Rey“ am Anfang der Adalbertstraße (erinnert sich noch jemand?) das „EKZ Stenten“ in der Schillerstraße unser Lebensmitteleinkaufsparadies. Da war man flott, da konnte man auch mit dem Fahrrad hin und da gab es sozusagen alles.

Als ich 1977 meinen Führerschein machte, hatte ich meinen Eltern den genauen Zeitpunkt vorher nicht gesagt – um dann stolz und glücklich und überraschend mit der frischen Fahrerlaubnis zu Hause aufzutauchen. Meine Mutter, die gerade im Keller Wäsche aufhängte, reagierte extrem cool: „Das ist ja prima. Oben liegt der Einkaufszettel, dann nimm Dir doch den R4 und fahr mal eben ins Ekazett.“

Für etwa 20 Jahre sollte dann das „EKZ Stenten“ ziemlich aus meinem Blickfeld verschwinden, da ich mitten in die Stadt zog und sich die Einkaufsgewohnheiten natürlich mit verlagerten. Dann lernte ich meinen heutigen Mann kennen, und der kaufte so supergerne im Comet am Krugenofen ein.

Pfft, Comet, sagte mir nichts. Bis ich dahinterkam: dieser sympathische Laden wurde von der Familie Stenten betrieben. Da waren sie wieder, die Stentens! Welche Freude – und welch ein wiederum toll sortierter Lebensmittelmarkt.

Heute heißt der Comet „REWE Stenten | Öcher Einkaufszentrum“ und der schon immer omnipräsente Josef Stenten senior dreht immer noch persönlich seine Runden durch den Markt und hilft den Kunden weiter, wo er kann. Wie herzerwärmend ist das denn?!

Ich jedenfalls fahre unvernünftig gerne aus der Soers quer durch die Stadt an den Krugenofen – immer noch und immer wieder mal eben ins Ekazett!

 

> Kann jemand ein Foto beisteuern? Ich finde keins…


Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959 in Duisburg, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist Grafik-Designerin und PR-Fachfrau und seit 1990 selbständig mit dem “Büro für Design & Text”.

Anfang 2007 rief sie diese Website ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie natürlich allgemeine Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

Sie liebt die deutsche Sprache und die vor-reformierte Rechtschreibung und ist mit vergnügter Überzeugung Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter W. Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

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1 Antwort

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    Kommentare, übertragen von der alten Website:

    Helmut Bock
    (Donnerstag, 23 Mai 2013 14:15)
    Hallo Uschi, ich habe lange Jahre am Krugenofen im EKZ gearbeitet. Meine Mutter war Kassiererin bei Stenten am Hangeweiher. Bilder findest du bei Facebook in der Gruppe Rewe Stenten.
    Gruß aus Diez
    Helmut

    Steffi Diefenthal
    (Donnerstag, 23 Mai 2013 17:44)
    liebe Uschi, der Bericht hat mich schmunzeln lassen. Ich kenne das „Ekazett“ auch aus den Anfängen in der Schillerstr. und ebenfalls den Nachfolge-Markt am Krugenofen, gehe allerdings nur selten dorthin, da ich der Schillerstr. mit dem heutigen Edika treu geblieben bin. Aber letzte Woche führte der Zufall mich am Krugenofen vorbei. Ich traute meinen Augen nicht, als ich Stenten sen. – wie Jahrzehnte zuvor – fröhlich mit seinem Stock gestikulierend an einer der zahlreichen Kassen stehen sah, eine Kundin beratend. Auf meinen überraschten Gruß hin hob er die Hand und grüßte mich zurück wie eine alte Bekannte. Ja, wo gibt es so was noch in der heutigen Zeit ? „Tante Emma“ läßt grüßen…..
    Danke für den netten Beitrag und LG.
    Steffi

    Rolf Bertram
    (Donnerstag, 23 Mai 2013 18:54)
    Ich kann mich ebenfalls an diese Zeit im Ekazett erinnern. Für mich als damals kleinem Jungen bleibt vor allem die Rolltreppe für Einkaufswagen in Erinnerung. Man musste den Wagen einrasten lassen und dann wurde er ruckelnderweise gefühlte 5 Treppen hochgezogen. Ich habe solch eine Rolltreppe woanders nie gesehen. Die auch im Rewe Stenten noch ertönenden Kultdurchsagen haben hier ihren Ursprung.
    Welch schöne Erinnerung !

    Petra Apel
    (Freitag, 24 Mai 2013 21:04)
    Ich kann mich noch an das Bild von Frau Stenten erinnern, als das EKZ noch ein kleiner Einkausfsladen in der Mariabrunnstrasse, Ecke Boxgraben war.
    Da saß sie also im Fenster und nahm Laufmaschen auf von Damenstrumpfhosen, die konnte man dort zur Reparatur abgeben.
    Das muß ca. 43 Jahre her sein.
    Und ans EKZ in der Schillerstrasse kann ich mich auch sehr gut erinnern.
    Da bin ich immer als Kind reingegangen und hab‘ mir das tolle Angebot angeschaut. Mit 13 Jahren kaufte ich Lockenwickler mit dazugehörigem Spray !!!
    Ein ganz tolles Familienunternehmen. 🙂

    Günter Perplies
    (Mittwoch, 28 Mai 2014 22:39)
    Stimmt, das spätere EKZ hatte seinen Ursprung in dem VEGE-Laden Ecke Boxgraben/ Mariabrunnstraße. Nach dem Umzug der Familie Stenten ins EKZ befand sich in dem alten Laden das Erste Aachener Blumenzentrum, das heute auf der Hüls residiert. Heute findet man am Boxgraben die Luisenapotheke.

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