Ist Aachen auch noch hinter’m Berg?

Direkt am Anfang möchte ich etwas vorwegschicken. Ich bin nicht direkt in Aachen geboren. Und gelebt habe ich schon in Köln, in München, und es zog mich auch schon hinter die Berge, nach Triest. Doch bald schon kam ich wieder in meiner alten und neuen Heimat an.

Wegen meiner beruflichen Tätigeit und der Tatsache, dass ich alleinerziehende Mutter zweier Kinder bin, brauchte es eine große Wohnung mit Büro. Beide Kinder gehen in Aachen zur Schule und der Lebensmittelpunkt ist nun einmal Aachen. Von daher zog es mich weniger, eigentlich gar nicht, in die umliegenden „Randbezirke“. Ich musste niemals irgendwelche Landstraßen fahren, überquerte die Grenze nur, um das schwedische Großmöbelhaus aufzusuchen oder einen Knokke-Strandtag einzulegen.

Die Soers lag und liegt mir am Herzen, nicht nur wegen der unheimlich netten Menschen, so manches Mal kommt man doch am Besuch des Tivolis oder des Reitstadions nicht vorbei.

Es ergab sich nun, dass mir liebe Freunde eine Wohnung vermittelten, welche „nicht direkt“ in Aachen lag. Angelika beschrieb mir den Weg zur Wohnung, die ich dann auch zeitnah besichtigte, so: „Du fährst den Berg hinter’m Chio hoch, immer weiter durch, die Pauline lässt du quasi rechts liegen, bis hinter Bindels!“

„Häh, wie bitte?“Bei Pauline rechts liegen lassen wurde mir schon mulmig, aber wer oder was ist bitte Bindels? Eventuell ein Gewerbegebiet, ein Freizeitpark…? Ich ließ mir jedoch nicht anmerken, dass ich diese Ecke Aachens wohl noch nicht kannte.

So machte ich mich in gemäßigtem Tempo auf in ein nahezu ländliches Gebiet. Da ich kein Schild Pauline oder Bindels sah, fuhr ich gemütlich weiter – und übersah natürlich das Ortseingangsschild: Herzogenrath, Ortsteil Kohlscheid. An der Wohnung angekommen, schien mir der Weg gar nicht so weit gewesen zu sein. Vom Gefühl her war ich also noch in Aachen, wenn auch nicht direkt. Die Wohnung gefiel mir und so kamen wir recht schnell zum Entschluss, dass dies wohl passte.

Am Abend erzählte ich meiner Freundin Gabi davon, die die Frage stellte: „Schön, aber wieso denn Kohlscheid?“ Wie ein Echo hallte das Wort „Kohlscheid“ in meinem Kopf. Wie bitte, Kohlscheid? „Kohlscheid?“, fragte ich. Da hat mir nun wirklich niemand etwas von gesagt.

Man tröstete mich mit den Worten: „Ach, ist doch nicht weit. Du brauchst nur den Berg runterrollen zu lassen, 5 Minuten durch die Soers!“

Nicht direkt in Aachen und Kohlscheid, was für ein Unterschied.

Das ist nun schon einige Jahre her. Zugegeben. Es dauerte, bis ich die Postleitzahl beherrschte und das Pendeln zwischen Domsingschule und Kohlscheider BC Platz wie am Schnürchen lief. Die Familie fühlt sich wohl! Das ist die Hauptsache.

Im Ohr habe ich jedoch immer den Satz meines Vaters: „Kind, bis zu dir hinter’m Berg zieht et sich wohl!“


 

Petra Schreiber-Finke

Petra Schreiber-Finke, Jahrgang 1968, studierte in Köln Kommunikationswissenschaften. Nach journalistischer Tätigkeit in München arbeitete sie ab 1996 als Head of Communication beim US-Medienkonzern Saban Entertainment GmbH.

Seit 2003 ist sie selbständige PR-Beraterin und Texterin. So war sie u.a einige Jahre für die Medienarbeit des Aachener Karnevalsvereins AKV verantwortlich.

Sie lebt mit ihrer Familie in Aachen.

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1 Antwort

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    Kommentare, von der alten Website übertragen:

    Nicole Krieweth
    (Sonntag, 30 Oktober 2011 21:41)
    Ähnlich ist es mir wohl auch ergangen. Mit dem Spruch „in Kohlscheid??? Da will ich nicht einmal tot über´n Zaun hängen“ zog es mich mit meiner Familie auch für einige Jahre dort hin. Und jetzt bin ich überglücklich, seit 2 Jahren wieder in Jahren zurück zu sein und dann auch noch in LA 😉 !!!

    Rolf
    (Dienstag, 01 November 2011 11:39)
    BIS VÜR DE BRÜCK hab ich bis heute nicht gefunden 😉

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