Joséphine sah „weiße Mäuse“ vor 60 Jahren

Es war im Jahre 1957 als die Aachener Volkszeitung über ein kleines „Gastspiel“ von Joséphine Baker im Aachener Polizeipräsidium berichtete, nicht ganz freiwillig und ohne Gage, so schrieb die AVZ damals.

Was war passiert? Joséphine‘s Privatwagen stand im Parkverbot vor den „Vier Jahreszeiten“, damaliges Hotel am Theaterplatz. Ein vom Theater einbiegender Straßenbahnwagen kollidierte mit einem Postbus, der wiederum der falsch parkenden Karosse der Diva ausweichen musste.

Damals bestand die Vorschrift, dass Ausländer, die an einem Verkehrsunfall beteiligt bzw. darin verwickelt waren, zur Vernehmung auf das Polizeipräsidium am „drei Räuber Eck“ mussten, um zu dem „Unfall“ Stellung zu nehmen.

Kurz Erklärung zwischendurch für zugereiste Öcher. An der Kreuzung Karmeliter-, Mozartstraße und Boxgraben waren das Polizeipräsidium, das Finanzamt und das Priestersemiar beheimatet, deshalb nannte der Öcher diese Kreuzung auch das „Drei Räuber Eck“.

Gemäß damaligem Bericht der Aachener Volkszeitung war Joséphine Baker bei der Vernehmung überaus nervös, denn mit „weißen Mäusen“ (so wurden damals im Volksmund die Beamten des Verkehrsunfalldienstes genannt) hatte sie bisher wenig Erfahrung und im richtigen Leben aus nicht gerne zu tun.

Aber anscheinend hatte sie auch schnell ihre Fassung wieder gefunden, denn ein Dolmetscher konnte sie beruhigen und ihr sagen, dass das alles nicht so schlimm sei.

 

 

Als dann noch der zufällig vorbeikommende Pressefotograf Call von der AVZ auf das Bett im Vernehmungszimmer stieg, um ein ordentliches Foto von Ihr und dem Beamtern zu schiessen, kam Joséphine Baker‘s pädagogische Ader hervor, und sie erklärte, dass sie das ihren Kindern nie erlaubt hätte, mit Schuhen auf das Bett zu steigen.

Der zuständige Polizeibeamte bemühte sich geradezu rührend, Madame Baker das Unangenehme vergessen zu machen, denn schließlich schlug sein Herz nicht nur für die Kleinkunst sondern auch für die große Baker.

Dass er sie einmal privat kennengelernt hat, war nicht nur lange Gesprächsstoff bei den „weissen Mäusen“, sondern auch bei mir zuhause, denn der vernehmende Beamte war Jupp Braun, mein Vater, der spätere Sheriff vom Ostviertel.

Er erhielt aus Dankbarkeit für seine freundliche und zuvorkommende Art ein von Joséphine Baker mit folgender Widmung versehenes Kinderbuch: „To your children from den Regenbogenkindern Mutter Joséphine Baker 1957“, das immer noch in meinem Besitz ist.

Franz Joseph Braun

Franz Joseph Braun, echter Öcher, geboren 1949 im Marianneninstitut. Aufgewachsen im Ostviertel (St. Josef), damals noch nicht „Betreten verboten“, sondern mit den Gründungsmitgliedern der Tropi-Garde groß geworden. Nach Banklehre bei der Commerzbank Aachen Studium der Betriebswirtschaft an der FH Aachen. Über 30 Jahre für die Commerzbank im Ausland tätig; u.a. in den Filialen Amsterdam, New York, Brüssel, London, Paris. Seit seiner Pensionierung ist er eingeschriebener Student an der Goethe-Uni Frankfurt in Geschichte, Philosophie und Amerikanistik.
Immer noch Alemannia-Fan (Liebe kennt keine Liga). Als ehemaliger Handballer für den PSV Aachen und die SG Eschweiler blieb er sportlich aktiv mit Marathons, Triathlons und jetzt beim Golfen.
Lebt in der Nähe von Frankfurt und freut sich immer auf die Besuche in Aachen zu CHIO, Fastelovvend und Weihnachtsmarkt.

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