Lousberg-Impressionen

Vom Teufel hatten die Großeltern dem vierjährigen Florian erzählt. Vom Teufel, der, einen Sack voll Sand auf dem Rücken, kurz vor Aachen die listige Marktfrau traf.  „Es war ein warmer Tag“  erzählt der Großvater, „so dass der Teufel ordentlich ins Schwitzen geraten war. Mit dem Sand wollte er ganz Aachen zuschütten, denn er war wütend auf die Aachener, weil sie ihm statt einer Menschenseele eine Wolfsseele angedreht hatten.  Der Teufel fragte die Marktfrau, wie weit es noch nach Aachen zu laufen wäre. Und die, da sie am Pferdefuß erkannte, mit wem sie es  zu tun hatte, erklärte, das sei noch sehr weit. Indem sie auf ihre Schuhe zeigte, sagte sie: Lieber Mann, als ich heute von Aachen abging, hatte ich neue Schuhe an. Und seht, wie sie jetzt total verschlissen sind. Da verlor der Teufel die Geduld, wurde fuchsteufelswild  und kippte den Sand an Ort und Stelle aus. So entstand der Lousberg.“ Der Großvater hat seine Erzählung beendet, just als die drei Wanderer  am Fuße des Lousbergs  angekommen sind, wo das Denkmal für Teufel und Marktfrau steht.  Die Bronzefiguren sind lebensgroß.  Florian ist beeindruckt. „So also sieht der Teufel aus“, stellt er zaghaft fest.

Dann bemerkt er einen kleinen Hügel Sand, den  Bauarbeiter offensichtlich vergessen haben. Denn an den frisch verlegten Pflastersteinen ist zu erkennen, dass hier Reparaturarbeiten stattgefunden haben. Ein rot-weißes Flatterband, das  an einem Baum festgemacht ist, bewegt sich im lauen Wind  hin und her. „Ist das der Lousberg?“ fragt der Kleine auf den  Sandhügel zeigend. Die Großeltern lächeln. „Nein, nein, der Lousberg ist da“, erklärt die Großmutter, „da gehen wir  jetzt hinauf“. Mit weit ausladender Armbewegung deutet sie auf den Berg, der vor ihnen liegt. Aber Florian schüttelt ungläubig den Kopf. „So viel geht doch gar nicht in einen Sack hinein. Nein!“ sagt der Kleine nochmals mit Nachdruck. “Das hier ist der Sand, den der Teufel ausgekippt  hat.“ Dabei zeigt er nochmals auf den kleinen Sandhügel. „Nun“, meint der Großvater, „unser Kleiner muss es wissen, mit Sand kennt er sich aus. Seine liebste Beschäftigung ist schließlich das Spielen im Sandkasten.“

Und, was lernen die Aachener daraus? Die Vermessung des Lousbergs müsste korrigiert, die Stadtpläne neu gezeichnet werden.

 


 

Inge Gerdom

Inge Gerdom, geb. Schieren, Jahrgang 1940, wohnt in Aachen-Brand seit 1973. Studium an der PH Aachen und an der Fernuniversität Hagen, Sonderschullehrerin bis 2005, zwei Söhne (1964 und 1966), zwei Enkel, eine Enkelin.
Seit der Pensionierung:
Aquarell- und Acrylmalerei, von 2000 bis 2013 acht Ausstellungen
Seit 1997 bei „Senioren schreiben für die AN“
Seit 2008 Autorin und Mitglied der Redaktion in SENIO
Seit 1997 ehrenamtlich tätig in der Bücherei des Marienhospitals
Seit 2012 ehrenamtlich tätig bei der AWO Brand (Kurs Gehirnjogging)
2 Kinderbücher (Geschichten vom Leuchtturmwärter Hein) herausgegeben, die in Zusammenarbeit mit den Enkeln Paul und Moritz entstanden sind (erschienen im Kirsch-Verlag 2012 und 2013)

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