Rund um Burg Frankenberg

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Gespenstisch erhebt sich das mittelalterliche Gemäuer der Burg in den Abendhimmel. Noch bis Ende der 1950iger Jahre war die Burg Frankenberg, auch Frankenburg genannt, dem Verfall preisgegeben und es ging etwas Gespenstisches von dieser Festung aus. Gerade diese Umstände übten Anziehungskraft und Reiz des Unbekannten auf die Kinder des Frankenberger Viertels aus. Umgeben war die Burg von einem verwilderten Park, in dem auch ein Weiher lag. In diesem Gewässer waren Molche, Frösche, Salamander und sogar kleine Schlangen angesiedelt, die gerne von den Kindern per Kescher gefangen wurden. Was die Mütter nicht besonders zu schätzen wussten, denn die Tierchen sollten schließlich in der Wohnung eine neue Heimstatt finden.

Insgeheim hofften die Kinder und Jugendlichen bei ihren Aktivitäten immer auf den großen Fund in dem kleinen See, nämlich den sagenumwobenen Ring, der dort angeblich versenkt worden war, der Ring der Fastrada.

In der Sage wird die Burg nämlich als eine Festung Karls des Großen beschrieben. Er erhielt diesen Zauberring von einer Schlange als Dank für ein Urteil, das er zugunsten der Schlange gefällt haben soll. Karl würde die Person, die jenen Ring künftig trage, für immer lieben, hatte die Schlange behauptet. Daraufhin schenkte Karl den Ring seiner damaligen Ehefrau Fastrada.

Als sie starb, war Karls Trauer so groß, dass seine Untertanen in Sorge gerieten und sich an den Erzbischof Turpin um Hilfe wandten. Der Bischof entdeckte schließlich, dass die Tote durch ihren Ring den Kaiser immer noch an sich band und warf ihn in den Teich der Burg Frankenberg.

Daraufhin war Karl der Große für ewig mit diesem Ort verbunden, und es zog ihn immer wieder dorthin, denn er fand nur inneren Frieden, wenn er am Rande dieses Gewässers saß und seinen Träumen nachhing.

Soweit die Sage um die Burg und den Weiher.

Wie es jedoch bei Sagen so ist, die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Nachweislich ist die Burg Frankenberg wesentlich jünger und wurde gut 500 Jahre nach Kaiser Karl erbaut.Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde von dem Adelsherrn und Ritter Johann von Merode erbaut, der mit anderen Familienmitgliedern auch noch weitere Güter im Umkreis besaß, unter anderem das Gut Kalkofen. 1352 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Der Nachfahr des Ritters, Junker Adam von Merode- Frankenberg gab der Burg ihren heutigen Namen.

Er kämpfte auf Seiten der Niederländer gegen die Spanier, aufgrund dessen spanische Truppen die Burg teilweise zerstörten und Adam bei einer Schlacht um Maastricht verstarb und keine Nachkommen hinterließ. So fiel die Burg an seinen Onkel,dem Herzog Wilhelm von Jülich. Dieser hielt sich an keinerlei Auflagen zur Instandsetzung des Anwesens und die Burg wurde sich selbst überlassen und verfiel. So war es an dessen Enkel Johann Dietrich, diese Aufgabe zu erfüllen, indem er 1637 begann das marode Gebäude wieder herzurichten. Aber erst nach seinem frühen Tod wurden die Baumaßnahmen von seinem Sohn weitergeführt und erst 1661 vollendet. Die Burg war somit wieder bewohnbar. 1728 verstarb das letzte männliche Familienmitglied des Merode-Clans und als Erben blieben nur weitverzweigte Verwandte. Die Burg wurde erneut dem Verfall überlassen.

1827 verkaufte die letzte Erbin aus dem Geschlecht Merode, Reichsfräulein Regina Petronella Franziska von Merode-Houffalize zu Frenz den, inzwischen zu einer Ruine verkommenen Besitz für 15.500 Taler an den Aachener Landrat Freiherr von Coels. Dieser ließ die Anlage  zwischen 1834 und 1839 umfassend sanieren und modernisieren. 35 Jahre später erwarb eine Baugesellschaft den gesamten Komplex und errichtete weitläufig darum ein neues Wohnviertel, das FRANKENBERGER VIERTEL, das bis zur Eingemeindung 1897 zu Burtscheid gehörte. Um Platz  zu schaffen, wurde der bis dahin großzügig angelegte Park verkleinert und aus dem, die Burg umgebenden Schwanenweiher, ein kleiner Teich gemacht. In diesem Zuge wurden am Ende des 19. Jahrhunderts auch die Vorburg und der Wirtschaftshof abgetragen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Hauptburg als Wohnsitz und Werkstatt durch den bekannten Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers genutzt.

Während der bisher letzten Instandsetzungsarbeiten 1971 wurden einige bauliche Veränderungen aus der Zeit um 1835 wieder in den Ursprung zurückgeführt. Dabei kam auch der zugeschüttete Burgbrunnen wieder zutage.

Es war die Idee der Frankenberger selbst, das alte Gebäude in einen zeitgemäßen Veranstaltungsort zu verwandeln. Nachdem 2012 die Entscheidung gefallen war, die Burg zu einem Bürger und Kulturzentrum umzuwidmen, begannen 2013 die dazu nötigen Renovierungsmaßnahmen. Dank der Unterstützung des Landes, der Stadt Aachen und der Stiftung NRW konnten die Baukosten von 1,7 Millionen Euro gestemmt werden und das ehrgeizige Projekt nahm Formen an und im August 2014 konnte schließlich die Eröffnung gefeiert werden.

Seitdem finden in Räumen der Burg und im Innenhof musikalische und künsterische Darbietungen sowie Ausstellungen statt. Vereine und Bürger können die Räume für Veranstaltungen und selbst Hochzeiten mieten. Es gibt seit der Eröffnung rege Nachfrage.


 

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs “Atelier-Kunstdialog”, das seit 2006 besteht.

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1 Antwort

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    Peter Hohage
    (Montag, 08 Februar 2016)
    …wieder etwas mehr dazu gelernt…
    Danke

    Herbert K. Oprei
    (Montag, 08 Februar 2016 19:12)
    Lejjve Helmut Bremen!
    Gut recherchiert, aue Öcher! Besonders interessant sind viele bekannte Öcher Namen, die in den Jahrhunderten etwas mit der Burg Frankenberg zu tun hatten (Merode, von Coels, Hugo Junkers).
    Vöölmoels Merssi!
    Dinge aue Klassenkamerad

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