Warten auf Susi

Wir sind auf einen Kaffee verabredet und ich bin früh. Wenn man nicht im Stress ist, ist Warten gar nicht so doof, denn es ist unverhoffte Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen.

Der Elisenbrunnen… Begleitet mich, wie wahrscheinlich Tausende anderer Aachener auch, bereits mein Leben lang. Also, ich rede von dem Restaurant – der andere ja sowieso.

Als wir in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in der Adalbertstraße wohnten – links vom Kaufhof über dem Schirmgeschäft Brauer, im ersten Stock residierte Zahnarzt Brinkmann mit der furchteinflössend großen Narbe auf der Wange –, da ging ich stets am Elisenbrunnen vorbei auf dem Weg zur Annaschule. In dem Alter interessierten mich allerdings Kioske mehr als Restaurants.

In meinen Kinderprinzengarde-Jahren hatten wir in jeder Session mindestens einen Auftritt dort. Ich glaube, dadurch war ich überhaupt zum ersten Mal innen drin. Der große Raum ist mir sehr düster in Erinnerung und wir traten vor uralten Leuten auf, so fühlte es sich jedenfalls für uns Pimpfe an. Karnevalistische Seniorennachmittage halt.

Meine nächste Elisenbrunnen-Phase hatte ich Mitte der 80er Jahre, als ich bei der gegenüber gelegenen Werbeagentur Thouet arbeitete und in Schönwetter-Mittagspausen die Restaurant-Terrasse unser Lieblingsplatz war. In der Sonne sitzen und Leute gucken – herrlich.

Als ich dann in den 90er Jahren, bereits selbständig, viele Jahre das Aachener Top-Magazin grafisch gestaltete, lernte ich auch den Elisenbrunnen-Pächter und engagierten Allround-Gastronomen Hans Hollands kennen. Der weit mehr konnte als Kaffee und Kuchen zu servieren, aber wie sollte ich das vorher wissen? Jedenfalls wurde ich ein großer Fan seiner „Häppchen“ – das ist das, was heute nur noch Fingerfood genannt werden darf, sonst fällt es sofort vom Teller.

Und dann passierte zweitausendirgendwann das „Sakrileg“, eine Familie aus Eschweiler – aus Eschweiler! – übernahm den Elisenbrunnen. Es wurde entrümpelt und entstaubt, mehr und schöneres Licht gemacht und ein entspannt-stylisches Ambiente installiert. Die Küche wurde frischer, moderner – und das neue Restaurant Elisenbrunnen offensichtlich ein voller Erfolg. Denn immer, wenn man sich dort verabredet, ist gut zu tun. Was sicher nicht nur an dem superleckeren Wiener Schnitzel mit Gurken-Kartoffel-Salat liegt.

Als leidenschaftliche – und marketingbewußte – Aachenerin freue ich mich vor allem, an so prominenter Stelle mitten in der Stadt eine gute und beliebte Gastronomie zu wissen, die nicht auch nur den Hauch einer „Touri-Falle“ hat.

Ah, da kommt ja meine liebe Verabredung! Sie ist übrigens großer Fan des Kräutertees mit Ingwer, Rosmarin und Minze, der hier serviert wird…

Dieser Beitrag erschien zuerst am 9. Januar 2017 auf dem Blog der Autorin.


 

Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959 in Duisburg, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist Grafik-Designerin und PR-Fachfrau und seit 1990 selbständig mit dem “Büro für Design & Text”.

Anfang 2007 rief sie diese Website ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie natürlich allgemeine Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

Sie liebt die deutsche Sprache und die vor-reformierte Rechtschreibung und ist mit vergnügter Überzeugung Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter W. Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

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1 Antwort

  1. Hanne Follmer sagt:

    Vor einer gefühlten Ewigkeit hatten wir unser Klassentreffen im „alten Elisenbrunnen“ – 25 Jahre Abitur St. Leonhard. Das Lokal wirkte etwas angestaubt, und das Kuchenbuffet altertümlich (nicht der Kuchen!). Ich kann nur bestätigen, dass der „neue E-Brunnen“ sehr schön und einladend wirkt und eine Tasse Kaffee auf der Terasse bei Sonnenschein genossen immer ein herrliches Vergnügen ist.

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