Das Licht als Innenarchitekt – die Annakirche

 

Abseits von jedem Prunk findet sich am Ende der schönen Annastraße die evangelische Annakirche – sie strahlt schon von außen Schlichtheit und Ruhe in perfekter Harmonie aus. Zugegebenermaßen ist die Autorin bei diesem Glücksort am allerwenigsten objektiv, wurde sie doch hier nicht nur konfirmiert, sondern auch getraut.

Die einschiffige Kirche wurde 1532 als Klosterkirche eines Benediktinerinnen-Klosters fertiggestellt und 1749 durch Johann Joseph Couven neu gebaut. Er verwendete dazu die Fundamente der alten Kirche und schuf einen schlichten Barockbau: die Straßenfronten in der kühlen Optik des Kalksteins aus dem nahe gelegenen belgischen Ort Raeren, den Innenraum als fast nüchternen Saal. Die französische Besatzungsmacht übergab 1803 die Annakirche den evangelischen Gemeinden Aachen und Burtscheid. Als sich 1837 beide Gemeinden zusammenschlossen, wurde aus Platzmangel die Empore eingezogen. Nachdem die Kirche im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, baute man sie 1951 in alter Gestalt wieder auf – denn was ein Couven erschaffen hat, ist dem Aachener heilig.

2013 erfuhr die Annakirche eine gründliche Sanierung. Wie sie da so steht in ihrer würdevollen Schönheit, sieht man ihr diese bewegte Baugeschichte gar nicht an. Auf der Empore steht seit 1994 das besondere Schmuckstück der Kirche – die Weimbs-Orgel. Sie ist das wichtigste Instrument in der Kirchenmusik der Gemeinde. An der Annakirche ist die kirchenmusikalische Arbeit des Aachener Bachvereins angesiedelt. Höhepunkt und einen Besuch allemal wert sind die Aachener Bachtage, die immer zum Jahresende stattfinden. Wem sich die Gelegenheit bietet – der Musik dort zu lauschen, ist ein echter Genuss.

Der helle Kirchenraum mit den unbunten, lichtdurchlässigen Fenstern, dem Schachbrettboden und dem schlichten Mobiliar vermittelt mit seiner klaren Ästhetik eine gelassene Freundlichkeit, die dem Besucher die Konzentration auf das Wesentliche erlaubt. Vermutlich deshalb ist die Annakirche neben den regulären Gottesdiensten so ein beliebter Ort für fröhliche Ereignisse – Taufen, Hochzeiten, Konzerte.


Dieser Text erschien zuerst im Buch “Glücksorte in Aachen” von Uschi Ronnenberg,
erschienen im September 2019; mit freundlicher Genehmigung des Droste-Verlages
dürfen wir ihn hier abdrucken. (Foto im Buch: einblick-liebe.de)


 

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Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist freiberufliche Grafik-Designerin und PR-Fachfrau, liebt die deutsche Sprache und ist vergnügte Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

2007 rief sie unser-aachen.eu ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

2019 erschien ihr Buch "Glücksorte in Aachen" im Droste-Verlag.

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