Mein Öcher Platt

Eine kleine Hommage an unsere geliebte Mundart.

En Sproech vör et Hazz.

Als mein Freund und alter Klassenkamerad Herbert Oprei  2012 den AACHENER THOUET-MUNDARTPREIS erhielt, ging mir unwillkürlich durch den Kopf wie es war, als ich in meiner Kindheit bewusst zum ersten Mal mit unserem ÖCHER PLATT in Berührung gekommen bin.

Plötzlich war ich in die frühen 50er Jahre zurück versetzt. Teile meiner Familie wohnten derzeit in der Kasinostraße, meine Großmutter, Tante und Onkel mit Vetter Manfred. Mein Vater hatte hier auch sein Büro. So war ich dort regelmäßig zu Gast, um meinen Vetter, der ein Jahr älter war als ich, zum Spielen zu treffen.

Unsere Oma bekam öfter Besuch einer Nachbarin, Frau Wipperfürth. Den Namen habe ich nie vergessen. Das war eine sehr gewichtige Dame und beeindruckte allein schon durch ihre Erscheinung. Wenn sie mal eben auf einen Kaffee vorbei schaute, trug sie eine Kittelschürze und karierte Filzpantoffeln. Aber das Markanteste an ihr war, dass sie kein Wort Hochdeutsch sprach. Ihre Umgangssprache war ÖCHER PLATT.

Wenn Frau Wipperführt ihr Kommen angekündigt hatte, saßen wir Kinder bereits in Erwartungshaltung auf dem Sofa. Da in unserer Familie im täglichen Umgang kein Platt gesprochen wurde, war ihr Besuch immer ein besonderes Ereignis für uns Kinder. „Frau Brieme (Bremen) ich moss üch jet verzälle“ schallte es dann bereits im Treppenhaus herauf und mit einem Wortschwall von ÖCHER PLATT brach sie förmlich über uns herein. Sodann füllte sie den Raum mit ihren Geschichten und die gesamte Nachbarschaft wurde durch den Kakao gezogen. Wir Kinder spitzten die Ohren und obwohl wir die Hälfte nicht verstanden, lauschten wir fasziniert den Ameröllchen der Nachbarin, die mit den ausgefallensten Ausdrücken dieser Ursprache nur so um sich warf.

Damals war ich fest entschlossen, diese Sprache auch zu erlernen. Schon da hatte ich gespürt, dass dieses Öcher Platt Teil eines richtigen Aacheners ist oder zumindest sein sollte. Es hat mich nicht mehr losgelassen.

So trat ich nach meiner Schulzeit auch dem „VEREIN ÖCHER PLATT“ bei, dem ich heute noch als Mitglied angehöre.

Bei meinen späteren beruflichen Auslandsaufenthalten in verschiedenen Ländern bedeutete das Platt für mich immer eine Verbindung zur Heimat, vor allem wenn man  in der Ferne einen Aachener traf. Mein Vater schickte mir die vierteljährlich erscheinenden Vereinshefte mit Aachener Geschichten und Gedichten in ÖCHER PLATT, die mich so manches Mal auch über mein Heimweh hinweg trösteten.

Angesicht der Tatsache, dass regionale Dialekte und Mundarten immer mehr verschwinden, sollte man Kinder und Jugendliche zur Mundartpflege anhalten, was auch Aufgabe der Schulen sein sollte. Das Standardwerk  „AACHENER SPRACHSCHATZ“, ein Lexikon für Aachener Platt von Will Hermanns , dürfte in keinem Aachener Haushalt fehlen. Als Sprachhilfe und Wörterbuch, auch für Zugereiste, ist es  sehr empfehlenswert.

2007 und 2008  hat mein, leider verstorbener, Freund Dieter Körer die beiden Aachener Mundartbüchlein mit den Titeln: „WEÄ DER NAM HAT, HAT DER FLAM“ und „UUH WIEH, UJÖ, OCH HÄRM“ herausgebracht, die ich illustrieren durfte. Beide gibt es im Fachhandel zu kaufen. Auch vom anfangs erwähnten Mundartkünstler Herbert K. OPREI sind lohnende Veröffentlichungen im Handel.

Ich bin stolz auf unser ÖCHER PLATT und liebe es.

 

Anmerkung: ÖCHER PLATT ist kein Dialekt, wie etwa die lokalen rheinischen Sprachvarianten, die meistens vom Kölsch abgeleitet sind oder auch Dialekte in anderen  Bundesländern.

ÖCHER PLATT ist eine eigene gewachsene Sprache, beeinflusst von Französisch und Niederländisch. Um sie richtig zu sprechen, muss man in Aachen geboren sein. Für Zugezogene fast nicht erlernbar!

Besonders erwähnenswert : Die Schriften zum ÖCHER PLATT des Dr. Karl Allgaier, der wichtigste lebende Protagonist der Aachener Mundart.


Quellen o.ä.

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René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

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