Ein jutes Tässjen Kaffie

Gibt es etwas Schöneres, als in der Stadt nach einem Einkaufsbummel mit der Freundin in einem der vielen Aachener Cafés eine Tasse Kaffee zu trinken und ein leckeres „Teilchen“ oder ein „Stückchen“ Kuchen zu genießen?

„Ein jutes Tässjen Kaffie“ geht immer, pflegte meine Oma zu sagen, und die musste es ja wissen. Wenn meine Oma Kaffee kochte, war es als Kind für mich immer ein Erlebnis! Sie holte ihr „Mahlchen“ aus dem Schrank, so nannte sie ihre kleine Handkaffeemühle, füllte die jeweilige Menge Kaffeebohnen mit einem silbernen Lot in die Mühle und dann gab sie sie mir. Ich setzte mich auf einen Stuhl und klemmte mir die Mühle zwischen die Beine, so wie ich es schon oft bei der Oma gesehen hatte und begann die Handkurbel langsam zu drehen. Die ersten Drehungen gingen ziemlich schwer, aber dann ging´s immer leichter. Es kam Schwung in die Sache, und ich drehte und drehte die Kurbel, bis alle Bohnen zu Kaffeemehl gemahlen waren und sich in der kleinen Schublade befanden. Die ganze Küche duftete herrlich nach Bohnenkaffee.

In der Zwischenzeit hatte Oma schon Wasser aufgesetzt und das Pfeifen des Wasserkessels zeigte uns unüberhörbar an, dass es kochte. Das Kaffeemehl wurde zuerst in Kanne gegeben und dann das heiße Wasser. „Opschödde“ nannte sie das. Was war das für ein herrlicher Duft! Und damit beim Eingießen der braunen Köstlichkeit nichts auf dem Tischtuch landete wurde die Kanne mit einem Tropfenfänger aus Schaumgummi, den ein bunter Plastikschmetterling verzierte, versehen. (Fand ich als Kind immer toll! J) Und damit der Kaffee nicht so schnell kalt wurde, bekam die Kanne eine Kaffeemütze übergestülpt. So eine Kaffeemütze wurde gerne im Handarbeitsunterricht  in der Schule hergestellt.

Bevor der Kaffee in die Tasse gegossen wurde, musste man stets ein paar Minuten abwarten, bis der Kaffee sich „gesetzt“ hatte und dann wurde er durch ein kleines Sieb in die Tasse geschüttet. In der Kanne blieb am Ende nur noch der Kaffeesatz übrig, der „Jronk“. Später benutzte Oma dann einen Kaffeefilter aus Porzellan mit der Aufschrift „Melitta“

An Feier- und Geburtstagen gab es zum Kaffee dann gerne ein Stück „Flam“ in Form von Reis- oder Aprikosenfladen.

Gerne backe ich noch heute kleine Hefepfannekuchen nach dem Rezept meiner Oma. Die schmecken hervorragend zu einem „juten Tässjen Kaffie“! Das alte Familienrezept wird von Generation zu Generation weitergegeben. Inzwischen rühre ich den Teig schon zusammen mit meinem Enkel an.

Und hier kommt das Rezept, für alle die Lust aufs Nachbacken bekommen haben:

„Hefepfannekuchen“ nach altem Familienrezept

Zutaten:
300g Mehl
100g Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
½  P. Trockenhefe oder frische Hefe
2 Eier
Ca. 300 ml lauwarme Milch

Für den Teig Mehl, Zucker, Vanillezucker, Salz und Hefe mischen (frische Hefe zerbröseln), die beiden Eier aufschlagen und untermixen. Dann die lauwarme Milch langsam zugeben und mit dem Mixer solange schlagen bis ein dickflüssiger Teig entstanden ist. Ist der Teig zu flüssig geraten nach etwas Mehl zugeben, falls er zu dick ist noch ein wenig Milch unterrühren.

Dann die Teigschlüssel mit einem Küchentuch abdecken und an einem warmen Ort gehen lassen, bis der Teig doppelt so hoch geworden ist und Blasen geworfen hat. Das kann 30 bis 60 min. dauern.

Nun kann der Teig gebacken werden.

Will man „Apfelpfannekuchen“ zubereiten empfiehlt es sich die Äpfel schon vorzubereiten. Also  schälen,  vierteln, das Kerngehäuse  entfernen und jedes Viertel nochmals in ca. 3 Streifen schneiden und am Herd bereitzustellen.

Zum Ausbacken benötigt man eine Pfanne (am besten beschichtet) und Öl, das hoch erhitzt werden kann und geschmacksneutral ist. Ich benutze meistens Erdnussöl.

Eine ausreichende Menge Öl in den Pfanne erhitzen, der Pfannenboden muss komplett bedeckt sein und dann noch 2-3 Eßl. Mehr reingeben .Die Kuchen müssen im Fett schwimmen!  In das heiße Fett mit einer kleinen Kelle oder einem großen Löffel 4 kleine runde Kuchen geben und auf jeden Kuchen ca. 2-3 Stücke Äpfel legen.  Wenn sich die Ränder braun färben ist es meist Zeit zum Wenden. Mit einer Gabel die Kuchen wenden und auch von der anderen Seite braun backen.

Danach mit einer Gabel aus der Pfanne nehmen und noch warm mit Puderzucker bestreuen. Direkt etwas Öl in die Pfanne nachgießen und solange weiterbacken, bis der Teig aufgebraucht ist.

Am besten schmecken sie noch lauwarm! Mit und ohne Äpfel, aber immer mit Puderzucker!

Gutes Gelingen!

Wenn meine Großtante Anna zu Besuch kam, freute die sich auch immer besonders auf ein Tässchen Kaffee.  „Et jeäht doch nüüß övver e jot Köppche Kaffie!“ Wie steht schon im „Aachener Sprachschatz“ zu lesen: „Der Kaffie es der beiste Dronk för Fraulü op der Welt!“

Waren die Bohnen knapp und teuer, dann fiel der Kaffee auch schon mal etwas „dünner“ aus. Man sprach dann vom sogenannten „Blümchen- und Schwerterkaffee“.  Beim „Schwerterkaffee“ konnte man die gekreuzten Schwerter auf den Böden der Tassen aus Meissner Porzellan durch den Kaffee scheinen sehen.

Musste man noch mehr sparen, dann gab es gar keinen Bohnenkaffee, sondern „Karo“-Kaffee (aus Gerstenmalz) aus der Packung mit dem roten Karo drauf oder „Lindes“-Kaffee (Getreidekaffee) aus der weißen Packung mit den blauen Punkten.

In Aachen wird gerne Plum’s-Kaffee getrunken, die „Aachener Bohne“.

Plum’s Kaffee ist die älteste Kaffeerösterei in Deutschland und ging bereits 1820 an den Start. Die Rösterei befindet sich heute am Hammerweg in Aachen. Neben einem kleinen Verkaufsraum dort gibt es noch einen schönen Eckladen an der Körbergasse. Hier gibt es viele leckere Kaffeespezialitäten. Ich liebe die Espressobohnen und die Festtagsmischung. Alle Kaffeebohnen werden nachhaltig angebaut, fair gehandelt und in Aachen schonend geröstet.

Während meiner Schulzeit im Mädchengymnasium St. Leonhard verbrachten wir unsere „Freistunden“ oft im Café Heinig in der Schmiedstraße  (heute im Restaurant Hangeweiher zu finden) oder im Café Van den Daele (Alt Aachener Kaffeestuben) am Büchel.  Ersteres zeichnete sich durch eine große Sammlung an alten Kaffemühlen aus und im zweiten gab es damals wie heute eine Tasse Filterkaffee einzeln und frisch aufgebrüht.

Jeder hat natürlich eigene Vorlieben was den Kaffeegeschmack betrifft. Meine Mutter „schwor“ auf die „Krönung von Jakobs“ oder den „doofen Egbert“. Als Kind liebte ich den Namen „doofer Egbert“, konnte ihn mir allerdings nicht erklären und wusste nur, dass meine Mutter ihn hinter der Grenze in einem kleinen Laden in Vaals holte. Erst Jahre später habe ich gelernt, dass diese  Kaffeesorte „Douwe Egberts“ hieß und es sich bei „Douwe“ um den Vornamen des Herrn Egberts handelte, der Kaffeebohnen aus den niederländischen Kolonien vermarktete.

Eine geniale Geschäftsidee hatte der Hamburger Kaufmann Carl Tchilling. Er gründete im Nachkriegsdeutschland die Kaffeerösterei „Frisch-Röst-Kaffee-Carl Tchilling GmbH“, woraus später der Name „Tchibo“ wurde (der Name setzt sich zusammen auch Tchilling und Bohne). Meine Freundin Maria erzählte mir, dass ihre Mutter den Tchibo-Kaffee immer mit der Post bestellte. Das Schöne daran, man konnte zwischen verschiedenen Verpackungen wählen: Blechdose, Herrentaschentuch oder Geschirrtuch. Das erfreute das Herz der Hausfrau.

Wurde Besuch zum Kaffeetrinken erwartet, holte man früher das gute Geschirr mit dem Goldrand aus dem Schrank oder aber die Sammeltassen, die hübsch angeordnet hinter Glas in der Wohnzimmervitrine standen.

Auch heute ist ein Tag ohne Kaffee kaum denkbar. Die meisten Menschen trinken ihn bereits zum Frühstück, in der Pause, sie trinken Filterkaffee, Café crema, Cappuccino oder einen Latte Macchiato. Wenn es schnell gehen muss, tut´s auch ein „Coffee to go“. Kaffee gibt´s fast an jeder Ecke.

Mit auswärtigem Besuch gehen wir gerne in die Alt-Aachener-Kaffeestuben, zu „Leni liebt Kaffee“  oder ins Café Middelberg. Unterwegs auf dem Wochenmarkt trinke ich gerne einen Cappuccino am Baristo-Stand. Während des Corona-Lockdowns habe ich mir einen „Coffee to go“ bei „Monsieur Daniel“ geholt und mich auf eine Bank auf dem Domhof gesetzt. Einen schnellen Kaffee hole ich mir öfters bei Nobis am Münsterplatz und setzte mich oben auf die Terrasse mit Blick auf den Dom. Im Café Kittel genieße ich eine Tasse und erinnere mich dabei an meine Jugendzeit. Auf der Terrasse am E-Brunnen kann man herrlich in der Sonne sitzen, in Burtscheid bei Lammerskötter köstlich frühstücken und, und, und… So gesehen ist Aachen ein kleines „Kaffeeparadies“.

Und dann gab es ja nach dem 2. Weltkrieg noch den Kaffeeschmuggel hier in der Grenzregion. Aber das ist wieder eine andere Geschichte….

Bei einem Besuch im schönen Esslingen fand ich im Café „Fräulein Margot“ diese nette Postkarte:

Mir bleibt jetzt nur noch, den lieben Leserinnen und Lesern zu raten:
„Kricht euch doch noch ein Tässjen Kaffie!“


Hier publiziert im Mai 2023

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5 Antworten

  1. Martin sagt:

    Dubbele Merssi för dat schöne Ammeröllche, lejjf Frau Follmer.

    Ich trinke zwar lieber Tee, aber Tee, aber bis auf die Kaffeerösterei kann ich die Adressen nur bestätigen.

  2. Günter Detro sagt:

    Neben Plum’s Kaffee gab es in Aachen seit 1865 die Kaffeegroßrösterei Giani, die zu dem gleichnamigen Lebensmittelgroßhandel gehörte und ihren Sitz in der Theaterstraße hatte. Der Kaffee wurde in Aachener Lebensmittelgeschäften verkauft und hatte seine Privatabnehmer, die auf ihn schworen. Die Produktion wurde in den 70er Jahren eingestellt. Ein Tassendeckchen und eine Kaffeetüte habe ich zur Erinnerung aufbewahrt (siehe Fotos von Tassendeckchen und Kaffeetüte).

  3. Es ist schön zu lesen, liebe Frau Follmer, wenn ein anderer ähnliches erlebt hat wie man selbst! Ich kann fast alles nur bestätigen und mir (Jahrgang 48) ging es genauso. Und da man sich manchmal streitet, wer denn nun die älteste Kaffeerösterei in Deutschland ist, bin ich zwar von Plum überzeugt, kenne aber auch die Rösterei van Gülpen, Emmerich, für die ich etwas Familienforschung machte. Und ich komme jede Woche von Köln Richtung Dreiländereck, um Reisfladen zu essen – den gibt in Köln nicht! Danke für den Artikel.

  4. Werner Kerschgens sagt:

    Leef Fräuche,

    do jeet mich aue Öcher en de Diaspora bei et lease van ür schönn Erenneronge dat Heetz op. Schad dat ich net wie de Heer Jülpen (s.o.) net mie so oof in ming au Heijmat kumme kaan. Oes, wat fählt mich hüü en jau Tass Kaffie en a Flämche van d’r Nobis!! Mer, dat Köppche Kaffie mach ich mich jetz jau, blos dä Aprikosen-Flam moß ich mich dobei denke, schaad!
    Üre Nieres

  5. Hallo Frau Follmer!
    Ich bin vom Verein der Ehemaligen des Gymnasiums St. Leonhard und würde gerne Kontakt zu Ihnen aufnehmen.

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