Nicht ohne unseren Karl – der Karlsbrunnen

 

Ein bisschen „jeck“ sind die Aachener ja schon mit ihrem Kaiser Karl. Ziemlich allgegenwärtig, der große Mann … Da gibt es überall in der Stadt auf dem Boden die großen Messingnägel mit seiner Signatur – sie markieren Stand-Punkte für Sehenswürdigkeiten. Es gibt zum Beispiel in der Domschatzkammer die prachtvolle Karlsbüste aus dem 14. Jahrhundert – unbedingt anzusehen! Und zum Karlsjahr 2014 lief die spektakuläre Aktion von Otmar Hörl, der 500 Karlsfiguren auf dem Katschhof aufstellte – vom Volksmund direkt mal „Kärle“ getauft. Doch unser eigentlicher Karl, der, mit dem wir im Alltag ständig zu tun haben, ist der auf dem ältesten aller Aachener Brunnen, dem Karlsbrunnen mitten auf dem Marktplatz.

Der Brunnen steht da schon seit 1334 und war ursprünglich ein viel schlichterer polygoner, barocker Schalenbrunnen. Erst im Jahr 1620 wurde er ausgebaut, das große Steinbecken mit dem bauchigen Tragpfeiler kam hinzu, auf dem die 6 Tonnen schwere Bronzeschale mit der Karlsfigur Platz fand. Der Baumeister Johann Joseph Couven entwarf dann im Jahre 1735 noch das wunderschöne Blausteinbecken und damit erhielt der Karlsbrunnen seine heutige Form. Die Aachener nennen den Brunnen übrigens liebevoll „Eäzekomp“. Dieser Begriff aus dem Öcher Platt ist nicht eindeutig übersetzbar – Eäze könnte sich sowohl von Erz oder von Erbsen ableiten, eindeutig ist hier nur die Schale oder Schüssel am Ende. Auf dem Brunnen steht unübersehbar die Figur Karls des Großen, mit allen Reichsinsignien und in voller Rüstung. Und diese respektheischende Erscheinung ist gar nicht das Original! Seit 1969 schon wird die mit 1,83 Meter lebensgroße Kaiserskulptur von einer Kopie gedoubelt.

Die kostbare Originalfigur verbrachte lange Jahre im Krönungssaal des Rathauses und steht heute im „Centre Charlemagne“. Dass der Brunnen-Karl nicht der Echte ist, ist den Aachenern ziemlich egal – sie mögen es, dass ihr Karl da oben steht, alles im Blick hat und immer irgendwie dabei ist. Egal, ob Wochenmarkt, Weihnachtsmarkt, Karlspreis oder Karneval …


Dieser Text erschien zuerst im Buch “Glücksorte in Aachen” von Uschi Ronnenberg,
erschienen im September 2019; mit freundlicher Genehmigung des Droste-Verlages
dürfen wir ihn hier abdrucken. (Foto im Buch: fotografie-manthei.de)


 

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Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist freiberufliche Grafik-Designerin und PR-Fachfrau, liebt die deutsche Sprache und ist vergnügte Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

2007 rief sie unser-aachen.eu ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

2019 erschien ihr Buch "Glücksorte in Aachen" im Droste-Verlag.

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