Speisehaus Zipprath op en Rues

 “Es ist keine Ente, wir sind auf Rente”, so mussten die Öcher Frittenesser mit Entsetzen Anfang Januar 2008 im Schaufenster des Speisegasthauses Zipprath in der Rosstraße 44 lesen.

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Damit hat eine der letzten (wenn nicht die letzte!) urtypischen Öcher Frittenbuden ihre Tür geschlossen. Hier haben circa 40 Jahre lang der “Klaus än sing Helga” Fritten, Sauerbraten, Möpse in Mayo usw. zelebriert. Die Kartoffeln wurden von Hand geschält und in Frittenstäbchen geschnitten. Auch Öcher Nougat von Dresse (und früher auch Eis) wurde hier verkauft. Die Inneneinrichtung entsprach bis zuletzt nahezu dem Ursprungszustand (die Preise fürs Essen waren bis zuletzt aber auch wie zu Mutters Zeiten). Die Umgangssprache war hier jahrzehntelang der Öcher Slang (ob die Zippraths auch Hochdeutsch sprechen, hat man nie so recht herausgefunden), und die aktuelle Tagespolitik wurde mitunter zwischen Gästen und den Zippraths lautstark in Öcher Platt diskutiert.

Den Gerüchten zufolge soll der Heinz vom “Sauerbratenpalast” an der Vaalserstraße hier sein Handwerk als Sauerbratenspezialist von der Pike auf gelernt haben. Vielleicht fragt man bei Gelegenheit mal seine Else dazu, die muss es schliesslich wissen.

Zippraths Speisehaus war für die Anwohner bei der Brauchtumsveranstaltung “Et Streuengelche open Rues” im August jeden Jahres immer eine beliebte Anlaufstelle, wenn man sich für weitere Taten am Bierwagen vor dem Roskapellchen nochmals stärken wollte.

Schade, Zippraths, dass es Eure Fritten nicht mehr gibt; Euch jedenfalls alles Gute und noch ein schönes Rentnerdasein!


Wolfgang Bebronne

Wolfgang Bebronne, geboren 1954 in Aachen, lebt seit seiner Geburt in Aachen.

Er ist Kraftfahrzeugprüfingenieur und -sachverständiger bei der DEKRA Automobil GmbH in Aachen.

Seine Lebenseinstellung ist “multikulturell” geprägt und er ist mit einer Chinesin aus Shanghai verheiratet (seit 6.12.2007 auch stolzer Vater eines “deutsch-chinesischen Joint-Ventures” mit dem Namen Jan).

In seiner Freizeit engagiert er sich für Projekte in Westafrika, z. B. A.M.P.O.-Waisenhaus in Burkina Faso (www.sahel.de), Aufbau von Krankenstationen in Burkina Faso oder Schulbauten in Benin (www.entwicklungshilfe-westafrika.de).

Reisen ist sein Hobby: zehnmal China, zehnmal Australien, siebenmal Nord- und Westafrika

Eine Hommage an seine geliebte Heimatstadt ist ihm immer einige Zeilen wert.

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2 Antworten

  1. Diverse (Archiv) sagt:

    Erwin Collé
    (Montag, 05 März 2012 16:31)
    Ebenso bekannt wie Zipprath dürften für echte Frittenbuden-Gourmets die Gaststätten Fischer und Lantin gewesen sein.Fischer war ganz in der Nähe der Schanz,der Sauerbraten war vom Pferd und der Wirt erinnerte mit seinem langen,schmalen Gesicht stets an das Grundprodukt dieser Leckerei.Bei Lantin,kurz vor der Kreuzung Karlsgraben,wars schmal,aber ebenso lecker.Das ist schon viele Jahre her,für Sauerbraten müssen mittlerweile andere Tiere ihr Leben lassen,logisch,schon allein wegen CHIO………

    Erwin Collé
    (Montag, 05 März 2012 16:33)
    Gemeint ist natürlich die Jakobstraße, echte Öcher wären da auch so draufgekommen….

    Bernd
    (Freitag, 23 November 2012 19:36)
    Nun ist es leider soweit, das gute alte Speisehaus ist schon halb abgerissen. In guter Erinnerung bleiben auch mir Helga und Klaus mit ihrem Uröcher Charme. Eine”Imbissstube” fernab von diversen Fastfoodketten. Frikandel oder andere tiefgekühlte Fabriknahrung suchte man zum Glück vergebens auf der Speisekarte!

    Helmut
    (Dienstag, 04 Dezember 2012 09:45)
    Nicht zu vergessen Langohr auf der Vaalserstrasse. Da konnte man auch super essen. Und Frau Schmitz in der Guatistrasse. Da war danach ein Mann drin, der auch super Pommes machte, noch in den alten grossen Kesseln. Leider alle zu. Traurig.

  1. 16. Oktober 2016

    […] gegangen und oft, besonders gerne im Sommer legte ich auf dem Nachhauseweg einen Zwischenstopp im Speisehaus Zipprath in der Rosstraße ein, um mir ein leckeres Eis zu kaufen. Es wurde mit einem großen Löffel […]

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