Der Aachener Dom – eine besondere Liebe

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Schon als kleines Mädchen habe ich ehrfürchtig innerhalb seiner Mauern gestanden und bewundernd auf die großen Werke vergangener Künstler und Baumeister geschaut. Der Kaiserstuhl, die prächtigen Mosaiken, der Marienschrein, der Barbarossaleuchter, die stillen Seitenkapellen, das Oktogon und nicht zuletzt die Madonna mit ihren wechselnden Gewändern. Dies hat mich schon als Kind ebenso fasziniert, wie auch die mit dem Dombau verbundenen Sagen und Legenden.

Über Daten und geschichtliche Fakten haben genug Wissenschaftler ihre Plädoyers gehalten. Meine Beziehung liegt auf einer anderen Ebene. Egal wann ich auch immer durch die „Wolfstüre“ sein Inneres betrete, es befällt mich ein Gefühl der Zuflucht und des Nachhausekommens. Ein Wohlgefühl breitet sich aus und lädt zum Innehalten ein.

Die Begegnungen mit dem Dom haben meine unterschiedlichen Lebensphasen geprägt. Vorübergehend hatte ich als Schülerin den Domchor begleitet, mehrere Heiligtumsfahrten mit Eltern und Großeltern besucht, Hochzeiten und Exequien mitgefeiert, Konzerte, Andachten und nicht zuletzt zwei Taufen meiner Enkelkinder hier erlebt. Aber auch als stille Besucherin, die Trost und Hilfe suchte, fand ich hier stets eine besondere Kraftquelle, die sich nur schwer beschreiben läßt. So manche Ereignisse zwischen Freud und Leid fanden hier statt.

Eine außergewöhnliche Begegnung durfte ich vor einigen Jahren während einer Führung durch das obere Gewölbe und die äußeren Balustraden erleben: Der Dom von „oben“ und über seltene Treppengewölbe und Geheimgänge, das war etwas Neues und Unentdecktes für mich. Wie ein Kind auf Abenteuerpfaden schlich ich mit der Gruppe auf dunklen, teils unebenen Stufen ins Gebälk. Egal aus welcher Perspektive ich ihn betrachtet habe, der Dom ist jedes Mal ein neues Erlebnis gewesen.

Einen besonderen Stellenwert dürfte die damalige Enthüllung des Denkmals vom Hl. Stephanus mit seinem silbernen Umhang, umgeben von zahlreichen Rosenstöcken vor der Ungarnkapelle des Domes, besitzen. Aufgrund meines Namens habe ich eine eigene Verbindung zu dieser Gestalt und verweile oft und gerne an dieser Stelle. Es bleibt mir in liebevoller Erinnerung bei diesem feierlichen Akt der Denkmalenthüllung gemeinsam mit meinen Eltern, zahlreichen Aachenern und einigen Pilgergruppen aus Ungarn, teilgenommen zu haben.

Der Dom im Wandel der Zeit und dennoch trotz der erhabenen, würdevollen Ausstrahlung – ein vertrauter Ort, der mich auf meinem Lebensweg begleitet.

In den 1960-iger Jahren habe ich nahe in seinem Schatten gewohnt und den Klang sämtlicher Glocken zu unterscheiden gewusst. Den der Alltäglichen sowohl als auch den der Außergewöhnlichen, nur an besonderen Feiertagen oder Anlässen zu Hörenden. Vielleicht ist ja damals die Zuneigung durch die intensive Nähe weiter gewachsen. Nach meinem Umzug fehlten mir plötzlich die vertrauten Glockenklänge sehr.
Wann immer ich um seine Mauern streife, berührt es mich mit Freude und Stolz auf diesen herrlichen Dom, den wir in Aachen besitzen.

Kann man denn ein steinernes Bauwerk so sehr ins Herz schließen? frage ich mich manchmal allen Ernstes. Es scheint so zu sein – und ich muß es auch nicht ganz erklären können. Sie ist einfach da und bleibt in meinem Herzen lebenslänglich: Die große Liebe einer Aachenerin zu ihrem Dom.


 

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