Der Kaiser und das Fischpüddelchen

Wer in Aachen wohnt, der kennt den Kaiserplatz, mit dem zentralen Punkt des 1911 errichteten Reiterdenkmals von Kaiser Friedrich III. So, wie sie sich heute präsentiert, steht die Statue erst seit 2013 am jetzigen Platz. Denn in dem Jahr wurde es vom alten Standpunkt versetzt. Im Zuge der Baumaßnahmen für ein Einkaufszentrum musste die Statue aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Gleichzeitig wurde das Dreieck um das Denkmal verkleinert und das Standbild um 7m versetzt.

Der Platz um die erhöht stehende Kirche St. Adalbert, wurde ursprünglich als Adalbertrundplatz bezeichnet. Bereits im Jahre 1879 wurde er in KAISERPLATZ umbenannt.

Das Kaiser-Friedrich-Denkmal wurde von dem Berliner Bildhauer Hugo Lederer in Bronze geschaffen und am 18. Oktober 1911 durch Kaiser Wilhelm II eingeweiht. Auf einer Seite des Denkmalsockels war eine Widmungsinschrift angebracht: „DEM VIELGELIEBTEN KAISER,- die Bürger der Stadt Aachen“.

In die Umfassung des Denkmals waren zwei steinerne Löwen integriert.

Das Denkmal, mitsamt der steinernen Löwen, überstand zwar den 2. Weltkrieg, aber der Sockel wurde stark beschädigt.

Ende der 1950er Jahre wurden Teile des Sockels im heutigen Kennedy-Park deponiert. Erst 1960 erhielt das Standbild am Kaiserplatz einen neuen Sockel.

Gleichzeitig wurde einer der beiden Löwen in den Burtscheider Ferberpark transloziert. Ein Löwe verblieb, etwas abseits, am alten Ort.

Kaiser Wilhelm II. hat persönlich das Denkmal seines 1888 verstorbenen Vaters am 18. Oktober 1911 enthüllt. Schon als Kaiser Friedrich III. die Nachfolge seines im März 1888 verstorbenen Vaters antrat und im März zum Kaiser gekrönt wurde, war er so erkrankt, dass er nicht einmal mehr sprechen konnte. Er litt seit ca. 2 Jahren an Kehlkopfproblemen und ist wohl auch an Kehlkopfkrebs gestorben. Nach nur 99 Tagen Regentschaft verstarb er am 15. Juni 1888, so dass dieses Jahr als das „Drei-Kaiser-Jahr“ in die deutsche Geschichte einging. Ihm folgte dann sein Sohn Wilhelm, der letzte deutsche Kaiser. In der Kaiserstadt Aachen wollte man nun diesem kürzesten Kaiser aller Zeiten ein Denkmal setzen. Der Künstler Hugo Lederer war mit der Fertigstellung des Denkmals allerdings etwas in Verzug geraten und hatte damit ein wenig den Unmut der Aachener Stadtväter auf sich gezogen. Doch der Auftrag war für ihn zu lukrativ. So entschloss er sich, ihnen quasi als Wiedergutmachung eine schon fertige Brunnenfigur aus seinem Atelier zu schenken.

Und er brachte einen kleinen nackten Jungen, zwei Fische in den Händen haltend, mit. Ein Standort war schnell gefunden. Der Fischmarkt schien perfekt für dieses Bildmotiv zu sein. So kam das bronzene „ FISCHPÜDDELCHEN“ in Aachen an den Fischmarkt und sorgte dort über Jahre, wegen seiner Nacktheit, für helle Aufregung. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass das Fischpüddelchen berühmter ist, als das Reiterdenkmal. Denn selbst alte Aachener wissen nicht wer dort oben, hoch zu Ross , in die Heinrichsallee blickt. Aber das nackte Männlein am Fischmarkt, im Aachener Jargon „Püddelchen“genannt, das kennt jeder Aachener. So kam, indirekt durch Kaiser Friedrich III und ganz ungewollt und ungeplant, das FISCHPÜDDELCHEN nach Aachen. Und es steht, mit verschiedenen Unterbrechungen, seit 1911 an seinem angestammten Platz am Fischmarkt . Aber, es pinkelt nicht in den Brunnen wie sein Pendant, das MANNEKEN PIS in Brüssel. Als Wasserspeier dienen die beiden Fische, die das Männlein rechts und links unter seinen Armen trägt.

Die Figur wurde, wegen ihrer freizügigen Darstellung, mehrfach eigenmächtig versetzt und versteckt und deshalb 1917 aus dem öffentlichen Raum vorübergehend entfernt.

Nach mehreren Stadtbeschlüssen wurde das Fischpüddelchen 1933 wieder zur Aufstellung freigegeben. Doch schon bald musste die Figur zwecks „Metallspende“ für die Rüstung abgegeben werden und wurde eingeschmolzen.

1954 hat der Bildhauer Heinrich Clemens Dick eine Nachschöpfung angefertigt, die wieder an der gleichen Stelle am Fischmarkt platziert wurde. Als Modell diente ihm sein 7jähriger Sohn Georg Clemens.

Heute machen sich manchmal Studenten einen Jux daraus, das Männlein einzukleiden oder lustig zu schmücken.


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René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

2 Antworten

  1. Franz Joseph Braun sagt:

    Hallo René, Du weißt ja, dass ich gerne Deine Beiträge kommentiere. Was Du schreibst ist alles richtig, Das Original des “Fischpüddelchens” stammt jedoch von Ignazius Taschner. Wir machen ja bekanntlich regelmäßig in Rottach-Egern Urlaub (u.a. auch mal mit Deinem Bruder). Am Tegernsee steht auch ein Fischpüddelche, diese Bronzestatue stammt wie gesagt von Ignazius Taschner. Hugo Lederer hat 1911 die Brunnenfigur mit kleinen Veränderungen für den Fischmarkt der Stadt Aachen kopiert und den Aachenern aus den von Dir beschriebenen Gründen überlassen. LG Franz Jupp

  2. René H. Bremen sagt:

    Lieber Franz-Joseph,
    danke für die Mail und Dein reges Interesse. Angeblich hatte Lederer die Figur ja bereits länger in seinem Atelier stehen und war für Aachen ursprünglich nicht vorgesehen. Somit auch nicht für Aachen kopiert! Und wofür sollte ausgerechnet ein Berliner Bildhauer ein Figürchen von einem Kollegen am Tegernsee kopieren. Bei seinen großen Aufträgen deutschlandweit, hatte Hugo Lederer das sicher nicht nötig ! Das spielt allerdings im Nachhinein keine Rolle mehr, da die jetzige Figur schließlich eine ganz andere ist und vom Bildhauer H. C. Dick geschaffen wurde, mit seinem Sohn als Modell.
    LG René

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