Unrecht Gut gedeihet nicht

Unrecht Gut gedeihet nicht,
auch nicht in Aachen-Brand,
hiervon kündet dies‘ Gedicht,
bisher noch unbekannt.

Wenn’s auf das Weihnachtsfest zugeht,
am Heiligabendmorgen,
bei Meiers im Kalender steht:
Noch Tannenbaum besorgen!

Herr Meier, der geil-geizig ist,
möcht‘ diesmal etwas sparen,
beschließt daher mit böser List,
zum Brander Wald zu fahren.

Dort meidet er das Försterhaus,
bezahlt nicht, dieses Mal,
sucht sich ‘ne große Tanne aus
und fällt sie illegal.

Mit Mühe bringt er sie nach Haus.
Dort, in des Raumes Ecke,
sieht sie ganz schön mächtig aus,
sie streckt sich bis zur Decke.

Herr Meier steigt auf eine Leiter
und dekoriert den Tannenbaum.
Die Stimmung ist entspannt bis heiter,
den Weihnachtsstress bemerkt er kaum.

Er liest die Tipps zur Lichterkette,
die er im Netz erworben hat,
das klare Glas, das er gern hätte,
gab’s allerdings nur noch in Matt.

Die Anleitung für die Montage,
die man vorher lesen muss,
bringt Herrn Meier schnell in Rage,
bereitet sie ihm doch Verdruss.

„Drapieren Sie die siebzig Lichter
auf circa sechzig Zweige auf.
Hätten Sie’s gern etwas dichter,
empfehlen wir den Dreierkauf.“

Auf der Leiter, von ganz oben,
Herr Meier flugs zu zähl‘n beginnt.
Sodann beginnt er auch zu toben,
weil es fast neunzig Zweige sind.

Für‘n Dreierkauf, den man ihm rät,
erkennt Herr Meier im Geäst,
ist es jetzt bereits zu spät,
denn nachher steigt doch schon das Fest!

Herr Meier ist indes nicht dumm,
schließlich war er Studienrat,
er denkt einfach von hinten rum
und hat die Lösung schon parat:

Wenn er den Weihnachtsbaum entkernte,
statt noch mehr Lichter zuzufügen,
jeden zweiten Zweig entfernte,
müsste das doch schon genügen.

Drum holt Herr Meier aus dem Keller
die Akkusäge, Marke Trapp.
Mit dieser Säge geht es schneller:
Im Nu hat er die Zweige ab.

Doch Herr Meier auf der Leiter,
– im Sägerausch der Welt entrückt –
sägt gerne noch ein bisschen weiter,
der Turbogang hat ihn verzückt.

Seine Frau betritt das Zimmer
und fängt sogleich zu schreien an:
Dieser Baum geht kaum noch schlimmer,
was hast du ihm nur angetan!

Bei den Meiers hinter’m Haus
liegt im Schnee ein Baumskelett.
Die Frau Meier schmiss es raus,
meint, dass sie was Bess’res hätt‘.

Bei Meiers, selbst in diesem Jahr,
feiert man wie immer.
Doch was früher nicht so war,
steht jetzt zentral im Zimmer.

Da sie keinen Baum mehr haben,
hat Frau Meier ungeniert
mit Lichterstrang und Weihnachtsgaben
den Herrn Meier dekoriert.

Günter Detro

Geborener Öcher, Streichholzschachteletikettensammler in seiner Jugend, Abitur am Einhard-Gymnasium, Studium an der RWTH, Lehrer im Ruhestand, lebt in Rheinbach, spielt gerne mit Sprache, Verfasser zahlreicher Texte, zuletzt erschienen: Glück und Glas, in: Zwischen Godorf und Gomorrha, Hrg. Gitta Edelmann, Rheinbach 2016

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