Lütticher Straße | Kaffee & Tee Jansen (3/4)

(Fortsetzung von diesem Beitrag.)

Obwohl der II. Weltkrieg nun doch schon einige Jahre vorbei gewesen war, befand sich in dem Mietvertrag zu diesem Geschäft eine merkwürdige Klausel, die dem damaligen Kalten Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt gezollt gewesen war.

Auf dem im Hofbereich des Hauses Südstraße 34 gelegenen Areal der ehemaligen Kunstgewerbeschule (Fach-Hochschule für Graphik und Design in den ´70iger/´80igern) befand und befindet sich bis heute ein Luftschutzbunker.

Der Südpark 2010

Der Zugang zu diesem Bunker führte entweder durch diese Toreinfahrt …

Toreinfahrt Südstraße 38-42 zum Bunker | August 2010

… oder durch die nebenan liegenden Geschäftsräume von Kaffee Jansen, wo sich in dem hinteren Lagerbereich der Filiale eine Stahltür befand, durch die man auch zu dem Bunker gelangen konnte.

Für den Fall einer politischen Verschärfung der damaligen Ost-West-Beziehungen in den Zeiten des Kalten Kriegs, musste die Familie Jansen dieses Geschäft rund um die Uhr besetzt halten, sowie einen ständigen freien Zugang durch ihre Ladenräume hindurch zum Bunker sicher und vertragskonform gewährleisten.

Diese Stahltür gibt es immer noch, wie mir der heutige Ladenbetreiber des Cocoon | Vintage Store in diesem Hause zeigen konnte. Ein wunderbarer Laden mit wunderschönen Dingen aus längst vergangenen Zeiten. Die Stahltür ist allerdings inzwischen fast vollständig zugestellt mit eben diesen Dingen.

Heute sieht die Schaufensterfront des Hauses Südstraße 34 A so aus.

Südstraße 34 A | Dezember 2014

Das letzte Ladenlokal, welches die Familie Jansen in der Südstraße betrieb, befand sich im Haus mit der Nummer 8 kurz vor dem Kreuzungsbereich am Boxgraben. Anstelle des Sarotti-Mohren strahlt heute das Firmenlogo vom Cocoon | Vintage Store

Südstraße 8

Bonbons wurden damals noch aus Säcken heraus verkauft und einzeln oder handvoller weise mit einer mechanischen Ladenwaage ausgewogen, wie sie auch schon auf dem Bild aus dem Geschäft in der Hausnummer 56 hinter dem winkenden Mädchen zu erkennen ist.

Die Dame hinter dem Verkaufstresen ist wieder Frau Jansen, die Mutter vom Herrn Jansen.

Das Geschäft in der Südstraße 8 kannte ich noch persönlich. Habe dort in den ´70igern und ´80igern einige male Kaffee und Süßigkeiten gekauft.

Man betrat eine andere Welt, in der Sinnlichkeit und Genuss einen hohen Stellenwert hatten. Man fühlte sich dort wohl und verzögerte gerne das Verlassen des Geschäfts.

Weitere Details sind mir leider nicht erinnerlich.

1985 wurde das Geschäft dort geschlossen und der heutige Anblick der Hausfront lässt nur noch sehr(!) wenig Raum übrig, für um wohlige Gefühle zu kriegen …

Südstraße 8 | Dezember 2014

Nur wenige Jahre später wurde die Trommelröstmaschine in die USA verkauft.

So! Jetzt aber … !!! Das Ladenlokal in der Lütticher Straße 32.

Dieses Geschäft wurde etwa 1962 eröffnet, nachdem die Handwerker des bereits oben genannte Betriebs für Ladeninneneinrichtungen und Geschäftsausstattungen Otto Kind mit ihren Arbeiten fertig gewesen waren.

In der Lütticher Straße wurde der im Stammhaus geröstete Kaffee frisch mit Maschinen gemahlen, wo sich manchmal die großen Doppel-Räder dran drehten.

Eine für jene Zeit typische Innenausstattung im Nierentisch-Stil, Bambus-Gestänge und mit adretter Blumendekoration. Die bereits bekannten Mahlmaschinen an der Wand und in den Regalen Kännchen, Tassen, Kaffeedosen und noch so allerlei …

Auch der eine oder andere gute Tropfen Wein oder Spirituosen wurde angeboten.

Lose Kekse in großen Schachteln mit Glasdeckel oder in Verpackungen von Bahlsen und Leibniz und an anderer Stelle im Geschäft natürlich die stets gut gefüllten Gläser mit Bonbons.

Der eingangs genannte Herr Franz Zimmermann war ein häufiger Gast hier, da ihm die Süßwarenbestände des Lebensmittel-Geschäfts seiner Eltern
Brab-Zimmermann an der nahen Schanz anscheinend nicht so verlockend erschienen, wie ein paar Häuser weiter bei den Jansens.

Was das „fremdgehen“ in die Geschäfte der Konkurrenz betrifft, war es beim Herrn Jansen aber auch nicht anders, wie er mir lachend erzählte.

Als Schüler der nahe gelegenen „Haubenschule„, in der sich die Außenstelle der Waldschule Breuer befand, zog es ihn und seine Schulkameraden eher und stets an die gegenüber liegenden Süßwaren-Regale des Lebensmittelhändlers Lorenz auf der Lütticher Straße 188.

Herr Jansen kann sich erinnern, daß in dem Geschäft von Familie Lorenz die Auswahl und das Angebot sehr gut gewesen sein sollen. Jedenfalls besser, wie in dem Laden an der Lütticher Straße Ecke Körnerstraße und Limburger Straße 1, der auch nur wenige Schritte entfernt gewesen war und ganz früher zuerst von einer Frau Margarete van Wersch und später dann von einer Frau von Berg geführt worden war.

(Lesen Sie hier den letzten Teil des Berichtes.)

Peer van Daalen

Ich bin Kreuzberger Jahrgang 1952 und mit 25 Jahren von Berlin nach Aachen gezogen. Die Schmetterlinge im Bauch haben mir den Weg gezeigt.

Nun bin ich 62 Jahre alt und man nennt mich den Öcher mit dem Sprachfehler.

Aachen ist ohne Wenn und Aber meine Heimat geworden, obwohl mir so manches immer noch arg ulkig vorkommt und ich gerne meckern tu.

Immer wieder toll sind jedoch die Geschichten oder Ameröllchen dieser Stadt, die mir zu Ohren kommen und die in keinem Öcher Geschichtsbuch zu finden sind und von keinem Stadtführer erzählt werden.

Das möchte ich hier gerne tun ...

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