Der Curry-Palast – Aachens berühmteste Frittenbude

Aachen an einem Samstag im Juli 1972: Eine große Menschenmenge bildet sich an der Ecke Peterstraße /Komphausbadstraße. Es ist der Tag, an dem der bis heute berühmte und bei Jung und Alt beliebte „CURRY-PALAST“ eröffnete und der Tag, an dem sich die Aachener Gastronomieszene schlagartig änderte. Es war ein Ereignis mit Konsequenzen. Von nun an mussten die Aachener Imbiss-Gastronomen umdenken, wenn sie noch konkurrenzfähig bleiben wollten.

Neben Aachener Printen gibt es in Aachen von je her noch eine andere kulinarische Spezialität: Fritten.

Aachen ist, solange der Ur-Aachener denken kann, eine Stadt „der Pommes de terre“oder auch „Pommes frites“, wie die Kartoffelstäbchen genannt werden. Was durch die Nähe zu Belgien begründet ist, dem Land der Pommes frites. Doch die Öcher, immer geneigt, eigene Bezeichnungen zu vergeben, nannten die, in Öl frittierten Kartoffelstäbchen, einfach „Fritten“. Diese wurden schon kurz nach Kriegsende überall in der Innenstadt an Frittenbuden verkauft. Meist waren das mobile Verkaufswagen oder auch kleine Holzbuden. Eine Portion Fritten wurde, aus Mangel an richtigen Tüten, einfach in Zeitungspapier eingewickelt und traditionsgemäß mit Senf serviert. Anfangs kostete eine kleine Portion 10 Pfennig. Später stiegen die Preise und 1960 waren es 50 bis 70 Pfennig. Dann näherte sich der Preis einer DM und die Aachener gingen auf die Barrikaden. Dafür gab es neuerdings auf Wunsch auch Mayonnaise zur Frittenportion, gegen Aufpreis.

Im Jahre 1964 eröffnete an der Ecke Peterstrasse/Komphausbadstrasse, als Anhängsel des Restaurants Petersbrück (Brückchen), ein Stehimbiss mit dem Namen RORA, die Abkürzung für „Rolf Ortmanns – Aachen.“

Rolf Ortmanns hieß der Inhaber. Er war in Dortmund in verschiedenen Brauhäusern und Restaurants als Küchenchef tätig gewesen. Seine Frau hatte er auf der Hotelfachschule kennen gelernt. Er kam zurück in seine alte Heimat, um sich niederzulassen. Eigentlich war ein kleines Edelrestaurant mit gehobener Küche seine Wunschvorstellung gewesen. Doch, um in kurzer Zeit etwas Geld zu verdienen, kam das Angebot für einen Imbiss durch seinen Vetter Egidius Braun gerade recht. Braun war als der „Kartoffelkönig“ bekannt. Gleichzeitig war er eine Größe im Deutschen Fußball und lange Zeit DFB-Präsident. Vetter Braun unterstützte Ortmanns, wo er nur konnte und belieferte ihn mit den richtigen Frittenkartoffeln.

RORA war von Anfang an ein Renner. Die Leute standen Schlange, denn Ortmanns hatte eine neue kulinarische Attraktion in Aachen eingeführt: die Currywurst! Eine Spezialität, die ursprünglich nicht einmal auf der Speisekarte stand und die er nur seinen Freunden und Bekannten servierte. Dazu hatte er eine ganz besondere Sauce entwickelt, ein Geheimrezept, wie Rolf immer sagte. So etwas spricht sich natürlich in Windeseile rum. Und so dauerte es nicht lange, bis der Volksmund nur noch vom CURRY-PALAST sprach. Was gleichzeitig eine Verulkung dieser Mini-Frittenbude war, die inzwischen aus allen Nähten platzte.

Es ergab sich, dass Rolf Ortmanns 1972 das Lokal nebenan übernehmen konnte und der Weg war frei, um zu expandieren. Der neue Name stand auch fest, so wie die Aachener Kundschaft es vorgegeben hatte: CURRY-PALAST.

 

Von nun an taten sich ganz neue Dimensionen in Aachens Frittenwelt auf. Nicht nur die Aachener standen täglich Schlange. Leute reisten aus der Eifel, Belgien und den Niederlanden an. Currywurst war im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde.

Alsbald wurden Currywürste auch in anderen Imbissbuden und Restaurants angeboten. Aber der Geschmack der besonderen Sauce von Rolf Ortmanns wurde nie erreicht. Der CURRY-PALAST blieb lange Zeit die führende Adresse unter den Imbiss-Restaurants. Es wurden tausende Currywürste und unzählige halbe Hähnchen verkauft. Abgesehen von Schnitzel, Steaks und anderen kulinarischen Angeboten, die über die Theke gingen.

Den CURRY-PALAST gibt es heute noch.


 

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

7 Antworten

  1. Arno Ernst sagt:

    Täusche ich mich, oder gab es in den 70-ern nicht auch einen Curry-Palast Kaiserplatz/Ecke Beeckstraße?

    • Detlef Ehmke sagt:

      Daran kann ich mich auch erinnern! Es gab dort auch die umwerfende Currysauce mit echten gerösteten Zwiebeln… mit der heutigen überhaupt nicht zu vergleichen!

  2. Mario Wagner sagt:

    Zu der sehr interessanten Geschichte der Fritten in Aachen sei noch der ergänzende Hinweis gegeben, dass der zur Fritte (gemeint sind unter dieser Bezeichnung durchaus mehrere Fritten in Form einer Portion) gereichte Senf im Gegensatz zur Mayonnaise stets kostenfrei abgegeben wurde.

  3. G. Detro sagt:

    Wie schön, den Begriff “Fritten” zu lesen und nicht den Namen “Pommes”, der das ursprüngliche “Fritten” verdrängt zu haben scheint.

  4. BREMEN, René H. sagt:

    Zu Fragen und Kommentaren bezüglich CURRY-PALAST: Ja, es gab noch eine Filiale am Kaiseplatz/Beeckstrasse, allerdings mit Schwerpunkt “FISCH”.
    Die Bezeichnung FRITTEN habe ich ganz bewußt gewählt, denn so heißen die “Kartoffelstäbchen in Aachen. “Pommes” sind Äpfel. Also wenn schon die französische Bezeichnung, dann bitte “POMMES DE TERRE” = ERDÄPFEL , bzw. Kartoffel. Aber in unserer Sprache heißen die von je her “FRITTEN”; aus dem Belgischen abgeleitet!

  5. Manfred de Vreede sagt:

    Arno Ernst hat Recht in den 70 gab es dort am Kaiserplatz Currywurst ob der Name Curry Palst war weiß ich leider nicht aber es war die erste Currywurst ich in Aachen gegessen habe.

  6. Henry Matzka sagt:

    Ja, das war zuerst die “Fischbratküche”. Nach dem Einkauf mit der Mutter ging es dann dort hin, um leckere grüne Heringe mit Fritten zu essen. Der Ortmanns hat das dann übernommen.

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