Die “Bastei” – Aachens geschichtsträchtiges Etablissement

„LAYLA, küsse mich und quäle mich, denn ich liebe nur dich, oh Layla !“ Das war der Refrain des Songs, der mir bis heute noch im Ohr geblieben ist.

Es war der Hit und die Erkennungsmelodie der Band, die live zum Tanz in der 1. Etage der BASTEI ab 1960 aufspielte. Auf den Namen der Kapelle, wie der Tanzbesucher damals noch eine Band nannte, bin ich erst wieder nach Jahren gestoßen. Es war die niederländische Gruppe „REGENTO STARS“ mit ihrem Sänger BRUNO. Den habe ich noch vor Augen, wenn er bei LAYLA seine Hosenträger spannte und flitschen ließ. Wir Schulfreunde kamen gerade von der Tanzschule und die BASTEI war unser Einstieg ins Tanzleben. Der Song ist uns allen deshalb im Gedächtnis geblieben, weil er kurz nach Erscheinen auf Schallplatte verboten wurde. Das Lied wurde wegen des Refrains auf den Index gesetzt. Anschließend war die Single nur noch im nahe gelegenen Ausland zu erhalten. Die Holländer waren damals schon toleranter. In Vaals wurde die Scheibe zwar unter der Ladentheke verkauft. Also auch dort nicht ganz legal. Für uns Jungs stand das Tanzen auf der ersten Etage der BASTEI im Vordergrund. Es waren immer genügend junge Damen da.

Der über 100jährige Bau der BASTEI hat eine markante Rund-Fassade, gelegen an der Kreuzung Krefelder Straße/Ludwigsallee. In erster Linie war das Etablissement seit der Gründung eine Nachtbar. Im Parterre befand sich der eigentliche Club mit den Attraktionen des Nachtlebens. Nicht wenige Aachener werden sich an rauschend-verruchte Abende erinnern. An Auftritte von Zarah Leander, Rudolf Schock, Gerhard Wendland und zahlreicher anderer Berühmtheiten dieser Zeit. Aber auch an den „Ball der einsamen Herzen“, an Striptease, Rotlicht und viel Plüsch. Die BASTEI war bis in die 70iger Jahre eine Anlaufstelle für Nachtschwärmer aus dem Dreiländereck.

Nachdem das Haus in seiner ursprünglichen Funktion aus Sicherheitsgründen nicht mehr geeignet ist, wird es Ende der 70er Jahre geschlossen und scheint dem Verfall ausgesetzt. 1995 zieht überraschend das Theater K in die Räumlichkeiten und bespielt die Bastei mit rund 3000 Vorstellungen fast 20 Jahre lang.

 

2014 ist endgültig Schluss. Ein bekannter Architekt und Investor erwirbt das Haus. Der hat anfangs große Pläne, die aber nie verwirklicht werden. Vor ein paar Jahren hatte ich das Vergnügen, noch einmal die Räumlichkeiten besichtigen zu können. Plötzlich war ich um 60 Jahre zurückversetzt. Es hatte sich kaum etwas verändert. Der marode Charme dieser Zeit umwehte diesen Ort immer noch. Die Bühne auf der Etage und die Tische und Stühle um die Tanzfläche drapiert, alles noch wie früher.

Seit 2016 ist der Bau in Besitz der Immobiliengesellschaft „AC-Projekte“ und, da nicht unter Denkmalschutz, zum Abriss verurteilt. Eine Aussage der Firma läßt Hoffnung aufkommen: “Eine Sanierung ist nicht ausgeschlossen!”

Seit Anfang 2018 wohne ich vis á vis dieses Hauses. Blicke ich auf diese traurige markante Ecke mit dem rostigen Schriftzug BASTEI, dann erfasst mich etwas Wehmut und ich glaube manchmal leise Musik zu hören: LAYLA, KÜSSE MICH…


 

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

5 Antworten

  1. Helga Kunze sagt:

    Mit Vergnuegen habe ich die Beiträge “Bastei” und “Cappuccino” gelesen. Der im Betrag Cappuccino genannte Walter Drews ist mir noch in guter Erinnerung und war ein damaliger Weggefährte. Bei dem Verfasser des Beitrages “Bastei” würde mich interessieren, ob er in den 60igern im Salon Kappes, Theaterstr. gearbeitet hat. Dann hätten wir nämlich auch vergangene Berührungspunkte. Seit 1966 lebe ich nicht mehr in Aachen und erfreue mich immer wieder an Ihren Beiträgen. Viele Dank dafür. Mit freundlichen Grüßen Helga Kunze

  2. Wolfgang Marzodko sagt:

    Ha, die Bastei. Das war unser Anlaufpunkt, wenn der “Scotch-Club” zumachte und im “Babalu” nichts los war. Ich meine,dass auch Tischtelefone DIE Attraktion waren, oder war das im “Roma” mit der von unten beleuchtetten Glatanzfläche?
    Und von der Platte hat mir noch Hans Bittmann, der verstorbene Redaktuer der AZ, eine CD gebrannt. Gerüchten zufolge wurde sie auf Grund einer Anzeige aus dem Bistum (d´r (van der Velde (Biischof) hat Anzeije jemacht).
    Und das Unikum Walter, geannt “Waller”, hieß doch Drees, oder?
    Ich sortiere gerade Material zur Antoniusstraße und Olga Steiger. Wer hat Material???
    Mit wehmütigem Lächeln W.Marzodko

  3. BREMEN, René H. sagt:

    Hallo Frau Kunze,
    ja ,ich habe nach meiner Rückkehr nach Aachen 1968 auch im Salon Kappes gearbeitet. Bis dahin hatte ich sechs Jahre im Ausland verbracht, u.a. Schweiz, London, Paris und Montreal. Letztendlich bin ich dann doch in old Aachen hängen geblieben. Alles Gute, demnächst kommt dann im Rahmen Aachens Historie: “DIE FEMINA”
    Mit lb. Grüßen, René H. Bremen

  4. Hanne Follmer sagt:

    Leider lernte ich die Bastei nicht mehr kennen, als sie noch ein “Etablissement” war, aber ich durfte die Räumlichkeiten bewundern, als das Theater K dort seine Spielstätte hatte. Hier herrschte der Charme “vergangener Herrlichkeit”. Schade, dass es das nicht mehr gibt!

  5. Edmund und Helga Steinbeck sagt:

    Hallo, Herr Bremen,
    vielen Dank für den Bericht üder die Bastei. 1968 habe ich dort meinen Mann kennen gelernt und wir haben 1 Jahr später am 21. Mai geheiratet. Wir hoffen, daß wir im kommenden Jahr goldene Hochzeit feiern können. Wir sind bei “Ur-Öcher” eine ausserbende Rasse, die man hegen und pflegen sollte.
    Ich freue mich schon jetzt auf Ihren Bericht vom Capuccino.
    Ganz herzliche Grüße
    Helga Steinbeck

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