Wie sich Europa anfühlt – der Dreiländerpunkt

Zugegeben, an manchen Wochenenden ist der Dreiländerpunkt ein bisschen anstrengend – es tummeln sich Wandergruppen, Mountainbiker, große und kleine Familien, Motorradpulks … jedenfalls viele, viele Menschen. Und trotzdem muss man mal dort gewesen sein, denn so ein Punkt, an dem drei Länder aneinanderstoßen, ist ja schon etwas Besonderes.

Etwa 5 Kilometer westlich von Aachens Stadtzentrum ist er mit 323 Metern nicht nur der höchstgelegene Punkt der Niederlande, sondern hier verläuft auch die Grenze zu Belgien und Deutschland. Drei Grenzsteine markieren den exakten Punkt, an dem die Länder zusammentreffen. Natürlich kann man auch auf historischen Spuren wandeln und die Grenzsteine im Wald noch besichtigen – den Grenzstein des einstigen vierten Landes Neutral-Moresnet (1814–1915) oder den Grenzstein aus dem Habsburger Reich. Oder man schaut gar über die Grenzen hinaus! Auf dem Weg zur Bergspitze erreicht man den ersten von zwei Aussichttürmen, den Wilhelmina-Turm, ein Holzturm mit etlichen Treppenstufen. Von hier aus hat man einen wundervollen Ausblick auf die Niederlande und Aachen, allerdings wird Belgien noch vom Wald verdeckt.

Weiter oben erwartet einen dann der 34 Meter hohe und mit einem Aufzug ausgestattete Balduin-Turm, mit einem tollen Rundblick über das gesamte Umland – Richtung Belgien bis ins Hohe Venn, Richtung Niederlande bis zum 30 Kilometer entfernten Maastricht und auf der deutschen Seite bis zur Eifel.

Es gibt Wanderwege, einen schönen Kinderspielplatz, eine Mountainbike-Strecke und das gewachsene Labyrinth, dessen Ziel – die Mitte – man nach circa 45 Minuten erreicht. Und zu guter Letzt ist auch an das leibliche Wohl gedacht, denn ein uriges Restaurant mit Außenterrasse bietet alles: vom Limburgischen Fladen über Pommes frites bis zum mehrgängigen Menü. Langeweile kommt hier nicht auf, und es ist irgendwie ein ganz bemerkenswertes Erlebnis, sich mit nur wenigen Schritten von einem Land ins andere zu bewegen.

So fühlt sich Europa an – am Dreiländerpunkt kann man diese Freiheit wirklich wahrnehmen.


Zuerst erschienen im September 2019 im Buch “Glücksorte in Aachen” von Uschi Ronnenberg; mit freundlicher Genehmigung des Droste-Verlages dürfen wir ihn hier abdrucken (Foto im Buch: fotografie-manthei.de). Übrigens: Als der Text entstand, dachte noch niemand von uns an eine Pandemie mit all ihren ungeselligen Auswirkungen. Bitte erkundigen Sie sich ggf. nach aktuellen Öffnungszeiten usw.


 

Teilen

Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist freiberufliche Grafik-Designerin und PR-Fachfrau, liebt die deutsche Sprache und ist vergnügte Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

2007 rief sie unser-aachen.eu ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

2019 erschien ihr Buch "Glücksorte in Aachen" im Droste-Verlag.

Website

Aufrufe: 50

2 Antworten

  1. Hein Schnitzler sagt:

    Baudouin-Turm heisst das Teil…
    „Balduin“ war der Trockenschwimmer!!!

  2. Balduin ist die Übersetzung von Baudouin – insofern und zum Glück nicht wirklich falsch im Buch. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert