Raus ins Freiluft-Wohnzimmer – im “Hof”

 

Übrigens: Dieser Text aus dem Buch “Glücksorte in Aachen” entstand im Frühjahr 2019, als noch niemand von uns an eine Pandemie mit all ihren ungeselligen Auswirkungen dachte. Manches ist derzeit noch/wieder möglich, manches andere kann momentan nur eine Hoffnung auf später sein… Bitte erkundigen Sie sich ggf. nach aktuellen Öffnungszeiten, Hygienevorschriften usw.

 

Wie der an wechselhaftes Wetter gewöhnte Westeuropäer nun einmal so ist, beim ersten Sonnenstrahl sitzt er – schwupps – draußen, trinkt, isst, schaut Leuten nach, unterhält sich oder liest seine Zeitung. Das ist auch in Aachen nicht anders. Einer der schönsten Plätze, um das zu tun, ist in dieser Stadt zweifellos der Hof: ein gemütlicher Platz, dessen Adresse tatsächlich gleichlautend ist. Hier befinden sich mehrere Lokale, die mit genügend Freiluftmobiliar das berühmte mediterrane Flair mitten in die Altstadt bringen – eine gemischte gastronomische Auswahl, aus der zwei besonders hervorstechen: das Café zum Mohren* und der Domkeller.

Das Café wurde 1994 eröffnet und gehört heute zu einer stadtbekannten Konditorendynastie. Hier gibt es köstlichen Kuchen und leckeres hausgemachtes Speiseeis. Und erst die Eistorten …! Das Haus, in dem sich das Café befindet, stammt aus der Zeit um 1656, als das mittelalterliche Aachen fast komplett niederbrannte. Die Holzbalken im Inneren, die schmalen Treppen und der fast abenteuerliche Einstieg zum Damen-WC zeugen sehr anschaulich von den alten Bauweisen.

Der alteingesessene Domkeller ist aus dem Hof gar nicht mehr wegzudenken, es gibt ihn nämlich schon seit 1972. Die Kneipe ist Kult, das Publikum bunt in jeder Hinsicht – und man weiß, was man bekommt. Alles ist wie schon immer, und das ist gut so. Wie die anderen ist auch dieses Gebäude im Hof denkmalgeschützt. Das zweigeschossige Giebelhaus in Ziegel und Blaustein mit der charakteristischen Steinfachwerkfassade der Maasländischen Renaissance wurde 1658 errichtet, also kurz nach jenem legendären Stadtbrand.

Der Hof ist heute geliebtes Freiluft-Wohnzimmer und Bühne zugleich, denn im Sommer wird das kleine Amphitheater in der Mitte gerne von Künstlern genutzt. Dazu das hübsche Ambiente mit dem weißen Replika-Säulenbogen vor der modernen Architektur des ehemaligen Kaiserbades und als i-Tüpfelchen der Blick auf Dom …

Verweilen und Genießen ist angesagt – Gelassenheit ist dann der besondere Charme der Kaiserstadt. Man sieht sich!

*Für alle, die lustvoll-destruktiv historisch gewachsene Bezeichnungen ausradieren möchten, hier ein Zitat von der Website des Hauses: “Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war im Gebäude des heutigen ‘Café zum Mohren’ ein Stoffhändler ansässig, der das erste Obergeschoss als Warendepot nutzte und dort edle Stoffe lagerte. Das zweite Obergeschoss sowie das Dachgeschoss wurden als Wohn- bzw. Schlafräume genutzt. Aus dieser Zeit stammt auch der Name ‘Haus zum Mohren’.”


Dieser Text erschien zuerst im Buch “Glücksorte in Aachen” von Uschi Ronnenberg,
erschienen im September 2019; mit freundlicher Genehmigung des Droste-Verlages
dürfen wir ihn hier abdrucken. (Foto im Buch: fotografie-manthei.de)


 

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Uschi Ronnenberg

Uschi Ronnenberg, geboren 1959, lebt in Aachen seit Beginn ihrer Volksschulzeit. Sie ist freiberufliche Grafik-Designerin und PR-Fachfrau, liebt die deutsche Sprache und ist vergnügte Patin des Wortes “Weiberkram”. Sie ist seit 2000 verheiratet mit Peter Hoch und 2004 vom Holzgraben in die Soers umgezogen.

2007 rief sie unser-aachen.eu ins Leben und ist seitdem auf Non-Profit-Basis und unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten beharrlich damit beschäftigt, Mitautoren sowie Aufmerksamkeit für die schönen Ameröllche zu gewinnen.

2019 erschien ihr Buch "Glücksorte in Aachen" im Droste-Verlag.

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