Pilgerweg nach Moresnet

Schon lange gibt es die Tradition, mittwochs von Aachen aus über den Moresneter Weg durch den Wald nach Moresnet zu pilgern und dort den Kalvarienberg und die Marienkapelle zu besuchen. Auf dem Weg dorthin kommt man an vielen Pilger-Kreuzen vorbei, überquert die Grenze nach Belgien, wandert durch dichten Wald und an Kahlschlägen mit schönen Fernsichten vorbei, bevor man in Moresnet in die „Rue de Calvaire“ einbiegt, wo sich links die kleine Kirche und ein Kloster befinden und auf der rechten Seite einer der größten Kreuzwege Europas mit einem wunderschönen Park und dem prächtigen Kalvarienberg.

Blick vom Moresneterwer in Richtung Belgien

Pilgermuschel an Baum am Moresneter Weg

Reste des Westwalls „Höckerlinie“

Pilgerkreuz an einer Wegkreuzung

Am besten startet man seine Wanderung am Ende des Preuswegs am „Forsthaus Adamshäuschen“ und schon bald sieht man die gelbe Muschel auf blauen Untergrund, als Zeichen dafür, dass man sich auf einem Teilstück des Jakobsweges befindet.

Wenig später führt der Weg durch die „Höckerlinie“, Relikte des Westwalls aus dem 2. Weltkrieg und immer wieder vorbei an Pilgerkreuzen, geschmückt mit Blumen und Inschriften; einige Kreuze wurden von Fußpilgergruppen gestiftet.

In meiner Kindheit „pilgerten“ wir auch nach Moresnet, aber nicht um zu beten, sondern wir gingen dort einkaufen. Mit Eltern und Geschwistern, den Jüngsten im Kinderwagen, marschierten wir durch den „Öcher Bösch“.

Unsere Familie auf dem Weg nach Moresnet

In Moresnet angekommen, besuchten wir meistens weder die Kirche noch den Kreuzweg, sondern überquerten zunächst die Hauptstraße und erreichten einen kleinen Laden („ne rechtige Puttik“) in der Rue de Klinique auf der linken Seite. Hier gab es ein buntes Sortiment von allen möglichen Artikeln. Mein Vater erstand eine Stange Belga-Zigaretten (ich glaube das war der Hauptgrund warum wir diesen Ausflug unternahmen). Wir Kinder bekamen etwas „zu schnützen“, gemischte Weichkaramellen der Marke Cote dÒr und schwarze Schokoladentoffees, die wir damals schon „Plombentod“ nannten, weil sich beim Kauen dieser süßen Köstlichkeiten hin und wieder eine Plombe aus den Zähnen löste. Meine Mutter kaufte gerne einige Pakete Vanillepuddingpulver der Marke Imperial. Es war besonders gelb, wahrscheinlich reich an Farbstoff, aber lecker.

Anschließend gingen wir zurück zur Hauptstraße und kauften dort beim Bäcker zwei riesige Moresneter Weißbrote. In meiner Erinnerung waren sie so groß wie „Karrenräder“. Unseren Einkauf verstauten wir im Kinderwagen. Zu Hause schmeckte dieses Brot, das außen knusprig und innen wunderbar weich und locker war, herrlich mit Schokopasta bestrichen (die kauften wir in Vaals) – besser als so mancher Kuchen!

Zu besonderen Gelegenheiten kehrten wir noch im benachbarten Café ein und ließen uns ein leckeres Stück Reisfladen und eine Limo schmecken. Das kam jedoch nur sehr selten vor, denn das war uns in der Regel zu teuer.

Auch heute lädt uns das Café au Calvaire zu einer Rast ein, bei schönem Wetter kann man hier auch auf der Terrasse sitzen.

Wenn wir auch nicht als „echte Pilger“ unterwegs waren, einen Rundgang durch den großen Park mit dem Kalvarienberg gegenüber von der Kirche gehörte trotzdem hin und wieder zu unserem „Programm“. Seine Gründung geht auf Pater Johannes Ruiter zurück. In den Jahren 1898 – 1904 legten die Franziskanermönche mit vielen Helfern diesen schönen Kreuzweg mit dem mit 14 Grotten an, die an die Leiden Christi erinnern.

Eine der 14 Kreuzweggrotten

Hier finden wir neben den beeindruckenden Kreuzwegstationen viele verschiedene Zierpflanzen und Bäume. Zur Zeit der Rhododendronblüte leuchtet der Park besonders prächtig. Ein Rundweg dauert ca. 30 Minuten und findet seinen Höhepunkt beim Kalvarienberg, wo uns eine beeindruckende Kreuzigungsgruppe und eine lebensgroße Christusfigur am Kreuz erwartet. Der Weg dorthin ist sehr leicht zu gehen und es herrscht hier eine wunderbare Ruhe. Überall laden uns Bänke zum Verweilen ein.

In der Wallfahrtskirche gegenüber finden wir im Boden eingelassen eine Mosaikplatte mit der Aufschrift „Hier stand die Eiche mit dem Gnadenbilde vom Jahre 1750 – 1823“. Peter Arnold stellte ein Marienbild im Jahre 1750 in einer alten Eiche im Wald auf, und ging oft hierhin um zu beten, um von seiner „Fallsucht“ (Epilepsie) geheilt zu werden. Seine Gebete wurden erhört. Diese Nachricht verbreitete sich schnell und schon bald kamen viele fromme Beter zu diesem Ort.

Nun finden wir an dieser Stelle die Wallfahrtskirche mit der Gnadenkapelle, wo noch heute die Gottesmutter aus dem Jahre 1750 steht.

Die Wallfahrtskirche in Moresnet

Im Innern der Kirche findet man an den Seitenwänden unzählige Marmortafeln, die den Dank vieler Pilger für die Erhörung ihrer Gebete bezeugen.

Eine nette Geschichte über den Pilgerweg nach Moresnet findet man auch im blog „aachen 7uhr15“ in der Kategorie „Ameröllchen“– Von Reitern, die Pilger treffen. Oder: „Jerüssestseistemaria vondrjnaden…“ Nachlesen ist unbedingt empfehlenswert!

Mit einem wunderschönen Gedicht von Paul Drießen möchte ich hier enden, nicht ohne jedem Öcher ans Herz zu legen, doch mal nach „Moresse“ zu pilgern oder wenigstens dort hinzufahren, sich die Kirche und den Kreuzweg mit Kalvarienberg anzusehen und danach ein leckeres Tässchen Kaffee zu trinken und dazu belgischen Reisfladen zu genießen.

 

D`r Bettwejg noh Moresse

Et Sönnche schingt, die Böüm sönd jröng
de Vöüelchere flööete.
Ich hür va wits de Prozessiuen
met Fromme än met Beäne,
jöhnt dörch d´r Bösch op Moresse aa,
des Morjens fröch d´r Bettwejg maht.

Et Krütz vöruus, de Lü dohenger,
sue kan ma hön bejeäne;
d´r Ruesekranz weäd lang än länger,
se jappe än se beäne.
De piife Mannder jöhnt dohenger
än röngseröm doe sprenge Kenger.

Du könt at d´r Kalvarieberig,
doe sitt mer ouch at stooeh de Kerich.
D`r Pater hooelt os at ereen.
„Maria, Maienkönnejenn!“
Der Kerich ereen, en Andach kott;
doch iesch ens setze – deät dat jott!

Wat es dat schönn, wenn sie all senge,
d`r Pater jett d´r Säje,
de Keäze allemoele brenne,
dat maht mi Hazz beweäje. –
Än jedderkiehr, wenn ich doe stong,
fuuehlt ich mich wi ne klenge Jong.

Wat sönd vür döcks – ich weäß net mieh –
d´r Bösch erav jejange;
än haue vür ouch Reän än Schnie,
vür lejjße os net hange.
De Modder hau ene jrueße Büll
Met Botteramm än Kaffiejrüll.

Ich wönsch, ich küem noch foffzig Johr
noh Moresse dörch d´r Bösch
än hüret alle naselang
d´r Kuckuck, Meäl of Mösch.

Dat es d´r Wejg met Traditiuen,
döm at mi Vadder jong,
än met of oehne Prozessiuen
verschliißet mänesche Schong.

Hür ich dan wahl äls aue Üehm
de Enkelchere senge,
mich vletz de jrüeste Loss aaküem,
met hön erömzesprenge.

Än jedder düech mich da verstoeeh,
wenn ich met dön noh Moresse jooeh.
Ich jlöüv, va Freud et Hazz mich beävt,
weäß ich: „Has net ömmesöns jeleävt!“

(Aus der Zeitschrift „Öcher Platt“, 93. Jahrgang, Heft 1, 2012)


Januar 2020

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Hannelore Follmer

Hannelore Follmer im April 2015 über sich:

Ich bin Jahrgang '57 und ein "echter Öcher met Hazz en Blot". Meine Heimatstadt ist für mich die "schönste Stadt der Welt". Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.

Eins meiner Hobbys ist das Öcher Platt. Im Verein Öcher Platt bin ich langjähriges Mitglied.

2 Antworten

  1. Hohage sagt:

    Immer wieder schöne Geschichten…

  2. Richard Braun sagt:

    Liebe Hanne,
    Dein Bericht macht Lust auf diese Pilgerwanderung, auch für Atheisten. Es muss ja nicht ein Mittwoch sein.
    Selbst für mich als Rheinländer ist der Text im Aachener Dialekt eine Herausforderung.
    Weiter so mit Deinen lesenswerten Anregungen.

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