Niemals “Pommes”!

Kleine Geschichte der Kartoffelstäbchen, genannt “Fritten”…

Eine Tüte Fritten mit Senf. Das war das höchste Glück, wenn die Aachener Familie 1948 einen Ausflug zum Kaiserplatz machte und dort an der ersten örtlichen „Frittenbude“ für 10 Pfennig pro Tüte die begehrten Fritten kaufte. Die „Tüte“ war eine spitz zusammengerollte Zeitung. Diese wurde mit den beliebten braungebrannten belgischen Kartoffelstäbchen gefüllt. Dazu kam der „Klätsch“ Senf obendrauf, oder auch an den Tütenrand, wenn man Glück hatte. Die Bude war ein Holzwagen auf Rädern und stand ungefähr vor dem früheren GLORIA-Kino. Das Reiter-Standbild vom Kaiser stand zu der Zeit noch woanders. Aber das „Frittenbüdchen“ war zu dieser Zeit viel wichtiger.

Die Stadt Aachen ist prädestiniert für diese Spezialität, alleine schon wegen der Grenzlage zum Frittenland Belgien. Denn daher kommt diese beliebte Delikatesse. Fritten gehören zu Aachen wie die PRINTEN, der Dom, und das Reitturnier.

Lange Zeit stritten Belgier und Franzosen um die Anerkennung als „Erfindernation“ der frittierten Kartoffelstäbchen. So behaupteten die Franzosen, während der Französischen Revolution unter den Brücken von Paris, die pommes de terre in Stäbchen geschnitten, erstmals gebraten zu haben. Sie trugen dort gegen 1789 den Namen der ältesten Pariser Brücke: Pommes Pont-Neuf. Doch es waren die Belgier, die mithilfe eines Familiendokuments den Sieg davontrugen. Es belegt, dass die armen Bewohner rund um die Maas bereits im 17. Jahrhundert schmale Kartoffelstreifen frittierten. Bei normalem Wetter fingen sie kleine Fische und brie­ten sie in heißem Öl. Aber „wenn der Frost die Wasserläufe erfasst und das Angeln gefährlich wird“, heißt es in dem Dokument, „schneiden sie Kartoffeln wie kleine Fische aus und lassen sie wie diese braun werden“.

Überhaupt waren die Belgier zeitlich im Vorteil, da sie als eines der ersten Völker in Europa die Kartoffel angebaut haben. Nachdem die Knollenfrucht von den spani­schen Eroberern aus Peru und Chile nach Europa eingeführt worden war, wurde sie in vielen Ländern lange argwöhnisch betrachtet und sogar für giftig gehalten. Sie galt zunächst als Armenspeise und etablierte sich nur, weil oft Getreidemangel herrschte. Der Schritt zu Varianten wie den Pommes frites war dann leicht getan. In den USA wurden Pommes frites erst nach dem 1. Weltkrieg bekannt – seit der Rückkehr der Soldaten aus Europa. Sie werden dort seither als „French Fries“ bezeichnet. Nach 1945 sorgte die industrielle Herstel­lung für ihre massenhafte Verbreitung. Jedoch die Qualität kann nirgends mit den Original-Belgischen Fritten mithalten.

Die Belgischen Fritten kamen nach dem Krieg sehr schnell nach Aachen und sind bis Heute eine örtliche Spezialität. Richtige Belgische Fritten werden in Rindernierenfett frittiert. Nur so bekommen sie den originalen Geschmack und sind innen weich und außen knusprig goldbraun. Frittenbuden, international Imbiß genannt, gibt es inzwischen in allen Städten Europas, an fast jeder Ecke. Das Angebot geht weit über Pommes frites hinaus. Weltweite Imbiß-Ketten beherrschen den Gastronomie-Markt mit Fastfood in Form von Burgern, Würsten und Grillhähnchen. Doch die Belgischen Fritten aus Aachen sind eine unschlagbare Spezialität, mit der die massenhaft produzierten Pommes frites nicht entfernt mithalten können.

Leider werden die Fritten heute von jungen Leuten oft als POMMES bezeichnet und manche Gastronomen passen sich sogar an. Dabei ist diese Bezeichnung total abwegig. Das französische Wort Pommes heißt Apfel. Dann sollte es wenigstens Pommes de terre = Erdäpfel/Kartoffel heißen. Richtig wäre POMMES FRITES= Frittierte Kartoffeln. Aber in Aachen heißen sie einfach FRITTEN ! Und so soll es auch bleiben.


Foto: Uschi Ronnenberg, Brügge 2011

René H. Bremen

René H. Bremen, Jahrgang 1942, ist Aachener, Rentner und arbeitet als Maler und Bildhauer. 35 Jahre lang hatte er Friseursalons in Aachen, nachdem er sieben Jahre in diesem Beruf im Ausland verbracht hatte (verschiedene Orte in der Schweiz, London, Paris und Montreal).

Seit dem Tod seiner Frau 2007 bekleidet er verschiedene Ehrenämter, interessiert sich für klassische Musik und Literatur und reist viel. Er ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs "Atelier-Kunstdialog", das seit 2006 besteht.

4 Antworten

  1. Franz Joseph Braun sagt:

    Frohes Neues Jahr René, wieder ein schöner Artikel von Dir.
    In unserem Stammrestaurant Meyer in Frankfurts Fressgasse heissen die Fritten “ausgebackene Kartoffelstangen”. (Siehe Ausschnitt aus der Speisekarte unten) Die werden immer frisch zubereitet, alles andere geht für ‘nen Öcher gar nicht. Liebe Grüße Franz Jupp

    ___Surf & Turf___
    Filet Mignon (Argentinien) & Black-Tiger-Prawns
    ausgebackene Kartoffelstangen & hausgemachte Sauce Béarnaise

    • René H. Bremen sagt:

      Hallo, lieber Franz Joseph,
      auch dir und deiner Familie ein FROHES NEUES JAHR!
      Freut mich, dass Du meine Artikel bei UNSER AACHEN immer fleißig verfolgst.
      Sicher kennst du dann auch meine kleine Geschichte zur FEMINA,die eine große positive
      Resonanz hatte, u.a. aus Frankfurt (eine frühere Kundin von mir.)
      Noch ein schönes 2019,
      met lejjv Jröss us Oche,
      René

  2. Hanns-Jürgen Mostert sagt:

    Pommes: Kurz nachdem ich Ende 1981 in Berlin meine „Bude“ bezogen hatte, trieb mich der Hunger zu einem Imbißwagen in der Siedlung und ich bestellt „ein halbes Hähnchen und eine große Fritte, bitte“. Und der gute Imbißbetreiber antwortet: „Watt, nur eeene“…

    Aber dafür gibt es auch durchaus Dinge, die die Oecher mit den Berlinern gemein haben, wa.

  3. Christine Lauscher sagt:

    Danke für den Frittenbeitrag, ehr informativ. Ich dachte mir schon, dass es sowas Gutes wie die Fritten schon lange gab. Nun weiß ich es endlich genau ! Nochmals ” Merci “.

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